| Homepage der Familie Messerschmidt - Skandinavien 2004 |
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Sommer 2004 - SkandinavienKurzinfos & Links Download (PDF)
Irgendwann in der Zeit zwischen Winter und Juli 2004
Wie so oft tauchte auch in diesem Jahr irgendwann im Winter die Frage nach unserem Urlaubsziel im Sommer auf. Einer von uns brachte Skandinavien ins Spiel und die beiden anderen hatten nichts besseres zu tun, als dem freudig zuzustimmen. Somit konnte ich ans Werk gehen und mich mit dem Norden befassen, um Gegenden zu finden, in denen wir noch nicht waren. Einerseits war das gar nicht so einfach, weil wir zu diesem Zeitpunkt schon sechsmal im Norden waren (bei unserem Vater kam ein weiteres Mal hinzu), andererseits ist Skandinavien so groß, dass man wirklich nicht so leicht alles kennen kann. Nach einigem Kartenstudium fasste ich den Kystriksveien Rv17, die Küstenstraße zwischen Bodø uns Steinkjer, ins Auge. Als ich die Erstplanung dem Familienrat vorlegte, meinte unser Vater: „Aber nach Berlevåg fahren wir auch.“ Nun liegt besagter Ort Berlevåg, den wir schon von vergangenen Reisen kannten, nicht am Kystriksveien, sondern weit mehr als 1000 km nördlicher am Eismeer. Der äußerste Norden Norwegens, die Finnmark, ist eine besonders schöne „Ecke“ in Europa. Nach einigen Überlegungen kamen wir zum Schluss, dass wir diesmal auch zum Nordkapp (Norwegische Schreibweise für das deutsche „Nordkap“) wollten, das wir bei einigen anderen Reisen standhaft umgangen hatten. Wie immer wählten wir für die Anreise in den Norden eine möglichst schnelle Route, diesmal die E4 entlang des Bottnischen Meerbusens. Auf dem Rückweg von der Finnmark wollten wir entlang des Kysriksveien fahren. Außerdem hatten wir vor einen Bekannten aus der Newsgroup de.rec.reisen.camping in Mittelschweden zu besuchen. Als nun am Tag vor der Abreise unser Vater meinte, er wolle die Orte Grense Jakobselv (an der norwegisch – russischen Grenze in der Finnmark), Berlevåg, Nordkapp und Hellesylt am Geirangerfjord (was ganz außerhalb des geplanten Weges liegt) besuchen, war mir klar, dass es auch auf dieser Fahrt Umplanungen geben werde. Das war unsere Route:
Tag 1: StauStrecke: Graz – Passau – Regensburg - Hof (561 km) Wohnmobil Hannibal steht fertig gepackt in den Startlöchern. Um etwa 10 Uhr sind auch wir startbereit, Wertsachen, wie Fotoapparat und Geld werden noch verstaut, ebenso die Reste des heimatlichen Kühlschrankinhalts. Endlich geht die Fahrt los, auf die wir uns schon so sehr gefreut haben. Strömender Regen und tiefe Temperaturen begleiten unsere Abfahrt. Haben wir auch alles mit? Wie immer stellen wir uns diese spannende Frage, deren Antwort meist auf sich warten lässt. Nun, diesmal sind es einige Adressen und Telefonnummern und etwas mehr Kleidung für wärmere Tage, die daheim geblieben sind. Staus in Richtung Süden meldet der Verkehrsfunk. Wird uns das stören? Wir fahren doch nach Norden! An der Raststelle Aistersheim westlich von Wels in Oberösterreich ist unser erster Halt. Diese Raststelle kann von beiden Seiten der Autobahn aus angefahren werden. Wir trauen unseren Augen kaum: Ein große Zahl von Fahrzeugen wartet an der Tankstelle, der Parkplatz ist fast voll. So haben wir diese Raststätte noch nie gesehen. Wir wollen im Restaurant zu Mittag essen, doch wenn man die Menschenmassen hier sieht, überlegt man sich es doch anders: Selbst wenn wir das Essen einigermaßen warm und vollständig durch die Kasse bringen, so müssen wir doch damit rechnen, dass wir keinen Sitzplatz bekommen werden. Wir erleben den Stau eben nicht auf der Straße sondern im Restaurant. Lieber verzichten wir auf ein Mittagessen hier, wir fahren zum nächsten Parkplatz und genießen im Restaurant Hannibal***** eine exquisite kalte Platte mit Wurst und Käse. Weiter geht es über Passau – nun bei trockener Straße und gelegentlichem Sonnenschein – und die für uns doch recht eintönige Strecke nach Regensburg, wo wir uns dann nach Norden wenden. Auf dem Wohnmobilstellplatz Untreusee in Hof schlagen wir unser erstes Nachtquartier auf.
Tag 2: Durch Deutschlands OstenStrecke: Hof – Berlin – Rostock – Kühlungsborn (561 km)
Tag 3: Durch DänemarkStrecke: Kühlungsborn – Lübeck – Puttgarden – Rødby – Kopenhagen – Lund – Landskrona (446 km)
Lübeck ist schnell erreicht, die Durchfahrt durch die Stadt ist etwas zäh, dann geht es weiter mit einem kurzen Halt zum Ver- und Entsorgen in Scharbeutz nach Puttgarden. Dort lösen wir ein Kombi-Ticket für die Fähre und die Öresundbrücke. Ob die Öresundbrücke angesichts des starken Windes wohl befahrbar sei, frage ich. Eine typische Binnenländer-Frage ist das wohl, wie aus der Antwort der schallend lachenden Ticket-Verkäuferin hervorgeht: „Der Wind bringt ja nicht einmal einen Schmetterling vom Kurs ab!“ Dann fährt uns die Fähre vor der Nase davon, aber kaum ist die weg, schon legt eine weitere an und gleich darauf fahren wir an Bord.
Ein Campingplatz für die Nacht will gefunden werden. Freie Stellplätze abseits von Campingplätzen sind in dieser Region angeblich unsicher, die Campingplätze durch Schweden ziemlich besetzt. In Landskrona stoßen wir auf einen Platz direkt am Meer, was uns gefällt. Stromanschlüsse gibt es keine mehr und die Parzellen sind auch recht klein. Schließlich finden wir doch noch einen geeigneten Platz und beschließen noch einen Strandbummel. Doch halt, was ist das? Hat da ein Nachbar sein Radio zu laut aufgedreht? Doch nein, es ist kein Nachbar, es findet „Tanz auf der Brücke“ statt und von dort wird auch der Campingplatz ziemlich laut beschallt. Hätten wir das gewusst, wären wir hier nicht geblieben. Brauchen die Skandinavier nun auch schon Animation auf ihren Campingplätzen? Tag 4: Wald, Wald und nochmals WaldStrecke: Landskrona – Helsingborg – Jönköping – Linköping – Norrköping – Kolmården (435 km) Um 23 Uhr war die Musik zu Ende und die anschließende Nacht auch recht ruhig. Nach einem notwendigen Boxenstopp bei einem Einkaufszentrum, wo wir unsere Essensvorräte auffüllen, wollen wir heute eine gute Strecke weiterkommen. Während bei unserer Ankunft in Schweden und auch um Helsingborg landwirtschaftliche Flächen mit vielen Getreidefeldern dominieren („Här växar bröd“ – „Hier wächst Brot“ verkünden viele Tafeln in Feldern), umfängt uns nach wenigen Kilometern nach einem kurzen Anstieg der Wald. Dieser tiefe Wald umhüllt gleichsam die Straße E4, gibt nur kurz in Ortschaften den Blick ein wenig frei, um kurz darauf wieder alles in seinen Bann zu ziehen. Wildzäune begleiten die Straße – wie sollen wir da je einen Elch zu Gesicht bekommen? Doch auf der Straße ist es wohl auch besser so, auf Crashtests mit Elchen können wir gern verzichten. Der Mittagsrastplatz liegt idyllisch an einem Wasserlauf, saubere WCs und regelmäßig entleerte Abfallkörbe sind in Skandinavien eine Selbstverständlichkeit. Weiter geht es, wir erreichen Jönköping und hoch über dem Vättern(see) geht es mit schönen Ausblicken auf den See weiter, dann passieren wir Linköping, die Stadt, in der die Saab-Flugzeugproduktion ihren Sitz hat, was man an den ausgestellten Draken und Gripen erkennen kann. Hier tritt der Wald auch wieder zurück und lässt wieder Wiesen und Feldern Platz.
Tag 5: KilometerfressenStrecke: Kolmården – Stockholm – Gävle – Sundsvall – Ramvik (625 km) Heute wollen wir möglichst weit nach Norden gelangen. Das Wetter ist gut und so steht unserem Vorhaben nichts im Weg. Stockholm ist trotz des starken Verkehrsaufkommens schnell passiert, bald erreichen wir Uppsala, wo sich an einer Kreuzung am Straßenrand Hasen tummeln. Zwischen Uppsala und Gävle halten wir Mittagsrast, dann geht es auf der E4 zügig nach Norden, durch Wald, größere und kleinere Orte.
Tag 6: Weiter nach NordenStrecke: Ramvik – Luleå (431 km)
Tag 7: RentiereStrecke: Luleå – Haparanda – Rovaniemi – Ivalo (545 km) (Wenn du, geschätzter Leser, bis hierher durchgehalten hast, dann kannst du ermessen, wie weit es eigentlich von Graz aus in den Hohen Norden ist. 3056 km sind wir bisher schon gefahren und erst jetzt treten wir in jenes Gebiet ein, das auch als Nordkalotte bezeichnet wird, als Gebiet nördlich des Polarkreises. Wer so weite Reisen mit dem Auto oder Wohnmobil scheut, ist bei einer solchen Reise wohl fehl am Platz. Wir empfinden allerdings auch die Anreise als Teil des Urlaubs.) Heute erwartet uns also der äußerste Norden Landeuropas und wie zum Empfang scheint die Sonne vom makellos lauen Himmel, zudem ist es recht warm. Zwischen Luleå und der finnischen Grenze gibt es einige schöne Ausblicke auf den Bottnischen Meerbusen und mit Erstaunen stellt man fest, dass hier nur mehr recht niedrige Bäume gedeihen. Das Landschaftsbild ist auch auf der finnischen Seite dasselbe, allein die Sprache ist eine andere und zudem völlig unverständlich. Schon zu Mittag erreichen wir Rovaniemi, das ich eigentlich als Etappenziel auserkoren habe. Da wir das Arktikum hier schon 2001 besucht hatten und an der Touristenfalle am Polarkreis mit Weihnachtsmann & Co. nicht interessiert sind, machen wir nur eine kurze Pause und dann wollen wir noch tanken, um nicht in der Weite Nordfinnlands ohne Diesel dazustehen. Hier werden wir nun mit einer weiteren Besonderheit des vereinten Europa bekannt gemacht. Konnte man in Schweden am Tankautomaten mit der Kreditkarte nur um 400 schwedische Kronen (etwa 42 EUR) tanken, was sehr nett ist, wenn man dann bei einem Tankinhalt von knapp 100 Litern quasi zweimal tanken muss, so werden hier in Finnland im Ausland ausgestellte Kreditkarten an Tankautomaten oft gar nicht akzeptiert. Die Tankstelle am Polarkreis akzeptiert solche und hat zudem einen günstigen Dieselpreis, also „füttern“ wir hier noch schnell unseren Hannibal.
Der Platz liegt im lichten Nadelwald, hat schon bessere Zeiten gesehen, ist aber sauber. Unser Stellplatz liegt unweit des Seeufers und zu unserem Erstaunen gibt es keine Gelsen (Mücken). Keine Animation, dafür ein freier Internetzugang und eine herrliche Landschaft bieten sich hier – uns gefällt es. Tag 8: Verscheuchen des Hurtigrutenschiffs M/S NordkappStrecke: Ivalo – Inari – Neiden – Kirkenes – Grense Jakobselv – Kirkenes (346 km) Heute soll es entlang des Inarisees hinüber nach Norwegen gehen. Wenn alles klappt könnten wir dort das Hurtigrutenschiff M/S Nordkapp vor der Abfahrt noch sehen. Mit diesem Schiff hat es eine besondere Bewandtnis: An Bord des Schiffes befinden sich zwei Web-Kameras, die ihre Bilder laufend ins Internet (http://www.webcamsinnorway.com) stellen. So habe ich die Fahrt des Schiffes von Bergen nach Kirkenes und zurück seit etwa November des Vorjahres regelmäßig im Internet verfolgt und möchte es nun einmal in Natur sehen. Also ziehen wir los. Zunächst wird noch in Inari getankt und der Tankautomat nimmt nur finnische Kreditkarten oder Geldscheine. Wie viel wird Hannibal wohl brauchen? Er braucht etwas weniger als wir mit dem Geld im voraus bezahlt haben. Was tun? Im angrenzenden Laden, in dem auch Störungen des Tankautomaten gemeldet werden sollen, meint man nur, man solle doch den restlichen Diesel in einen Kanister geben. Der ist aber auch voll und so müssen wir zwei Euro mit grimmigem Blick verschenken. Die Straße entlang des Inarisees ist zwar asphaltiert aber sehr wellig, weshalb wir nicht immer besonders flott fahren können. Die Vegetation besteht hier aus Moorpflanzen und niedrigem Buschwerk, dann und wann auch niedrigen Birken. Wenige Fahrzeuge sind auf der Straße, die zahlreichen Hütten scheinen bewohnt (es sind wohl Ferienhütten), der einzige „Ort“ an der Straße ist so klein, dass man ihn fast übersehen könnte. Leider hat man nur relativ selten einen Ausblick auf den See.
Vielleicht treffen wir die M/S Nordkapp, wenn sie wieder auf ihrem Weg von Bergen nach Kirkenes ist. Jetzt bummeln wir noch ein wenig am Hurtigruten-Anleger, der nun wie ausgestorben wirkt, und halten kurze Mittagsrast.
Hier könnten wir wohl gut übernachten und wir wären wohl auch nicht allein, denn die drei weiteren Wohnmobile hier sehen nicht so aus, als würden sie so schnell weiterfahren. Aber zumindest bis zur Abfahrt der PKWs bekäme man keinen wirklich ordentlichen Stellplatz und so fahren wir die schon bekannte Strecke zurück nach Kirkenes. Dort beginnen wir mit der Campingplatzsuche. Gleich auf dem ersten Platz ist frei, allerdings stellt sich das Gelände für Wohnwägen und Wohnmobile als einfacher geschotterter Parkplatz heraus, auf dem die Fahrzeuge kreuz und quer abgestellt werden. Die Sanitäranlagen sind sauber und als Highlight ziehen hier immer wieder Rentiere durch. Die nahe E6 stört nachts überhaupt nicht. Tag 9: Über die Varanger-Halbinsel (Varangerhalvøya)Strecke: Kirkenes – Tana bru – Berlevåg (285 km) Heute müssen wir zunächst etwas einkaufen und wollen das gleich in Kirkenes tun, da wir auf dem geplanten Weg nach Berlevåg durch keine größeren Orte kommen werden.
Alle Hurtigrutenschiffe, auch die ganz großen der neuen Generation, sind äußerst wendig. Sie haben auf der Backbordseite – also links – Klappen, die zum Be- und Entladen geöffnet werden, nachdem das Schiff am Kai liegt. Die kleinere Klappe dient als Gangway, die größere dient zum Verladen von Gütern, die über einen Transportlift in den Laderaum gebracht werden, womit die Größe des Transportgutes beschränkt ist. Maximal Fahrzeuge in der Größe eines kleinen VW-Busses können mitgenommen werden. In Kirkenes ergießt sich eine große Zahl von Passagieren auf das Land. Ein kleiner Teil beendet hier die Reise, die meisten werden jedoch in die schon wartenden Autobusse verfrachtet und zu Besichtigungen geführt. Die am meisten hier gehörte Sprache ist Deutsch, das Durchschnittsalter der Touristen liegt wohl jenseits der 60-Jahr-Grenze. Alles scheint gut organisiert und nach kurzer Zeit ist der Kai nahezu menschenleer. Nun aber wirklich zum Einkauf - den Supermarkt in Kirkenes haben wir aus dem Jahr 1996 in zwar nicht besonders guter Erinnerung, jetzt sind wir positiv überrascht von einer gut bestückten Gemüseecke (das gab es selbst vor drei Jahren noch nicht so häufig) und einem einigermaßen guten Warenangebot, wobei die Preise schon etwas über jenen in Österreich liegen. Die nun anschließende Fahrt nach Osten führt uns bei Prachtwetter mit angenehmen Sommertemperaturen zu unserem Mittagsrastplatz am Varangerfjord: ein blitzsauberer Parkplatz mit ebensolchen WCs, ein prächtiger Ausblick über den Fjord bis hinüber nach Vadsø, Informationstafeln zur Umgebung und viel, viel Ruhe. Dann ist Tana bru schnell erreicht, wir wenden uns auf die Straße nach Berlevåg zu. Nach ein paar Kilometern kommt eine elende Baustelle: 20 km Schotterpiste, an einer Stelle arbeiten ein Bagger und ein LKW. Doch auch das wird überwunden und dann geht es auf recht guter Straße hinauf auf das Fjell in etwa 250 m Seehöhe. Hier hatten wir bei unseren ersten Besuchen schon Schnee gesehen, diesmal ist es wohl viel zu warm. Kurz vor der Abzweigung nach Båtsfjord glitzert das Wasser eines größeren Sees rechts und das eines kleineren links von der Straße, dann geht es vorbei an Feriensiedlungen und hinunter zum Meer. Tolle Felsformationen und weite Sandstrände nehmen das Auge gefangen, ehe der Leuchtturm Kjølnes fyr das nahe Berlevåg verkündet.
Am späten Abend
zieht es uns zum Hurtigrutenanleger. Aber was heißt hier schon „später
Abend“? Die Sonne scheint, jedermann ist im Freien, die Vögel sind aktiv,
obwohl es gegen 22 Uhr ist. Dann kommt zuerst das südgehende Schiff, die MS
Vesterålen, die wir ja schon von Kirkenes kennen. Das nordgehende Schiff,
die M/S Finnmarken, taucht auch bald auf, muss aber draußen vor der
Hafeneinfahrt warten, bis die M/S Vesterålen den Hafen
Müde und voll von Eindrücken kehren wir in der Mitternachtssonne zum Campingplatz zurück.
Tag 10: Hitzetag in Berlevåg
Abends beobachten wir noch das Anlegen der Hurtigrutenschiffe M/S Finnmarken und M/S Kong Harald vom Campingplatz aus. Tag 11: ElcheStrecke: Berlevåg – Båtsfjord – Tana bru – Karasjok – Lakselv Nachts haben wir ein eher unschönes Erlebnis. Zwei junge Norweger machen sich offensichtlich an unserem Fahrzeug zu schaffen und versuchen (ohne Gewalt) eine der versperrten Klappen zum Stauraum zu öffnen, was das Fahrzeug zum Schaukeln bringt und so unsere Aufmerksamkeit erregt. Auf unsere Frage, was sie wollen, bitten sie auf Englisch um Alkohol, sie sind wohl schon betrunken. Ich herrsche sie nun an, wir hätten nichts, es sei Nacht und wir hätten zu schlafen. Da geben sie kleinlaut bei und ziehen ab. Morgens hat der Wind etwas gedreht und es ist etwas kühler geworden. Nun kehren wir Berlevåg den Rücken und fahren dieses schöne Straßenstück zurück, aber dann hinunter nach Båtsfjord. Das ist einer der bedeutendsten Fischerorte in Norwegen, gefällt uns aber nicht so gut wie das kleine Berlevåg. Dann geht es wieder hinauf auf das kahle Fjell und hinunter zum Fjord, wobei rechts und links der Straße wieder Laubwald auftaucht.
Hinunter geht es zum Tanafjord, Kühe grasen auf saftigen Wiesen, die 20 km Baustelle vom Vortag bringen wir auch noch hinter uns, dann geht es den Fluss Tana aufwärts entlang der E6 (an der Küstenstraße waren wir im Jahr 2001 unterwegs). Zunehmend dunkler wird es, Regenwolken brauen sich über unseren Köpfen zusammen und während unserer Mittagsrast am norwegisch-finnischen Grenzübergang Utsjoki entlädt sich ein heftiges Gewitter. Wenig ist hier an der E6 los, von der immer behauptet wird, man solle sie meiden. Sie wendet sich in Karasjok wieder nach Norden und erreicht bei Lakselv wieder das Meer. Der Campingplatz in Lakselv ist uns in nicht allzu guter Erinnerung. Deshalb fahren wir ein Stück weiter, um uns dann beim Stabbursdalen Camping während der ersten Regenpause einzuquartieren. Der Platz liegt nicht direkt an der E6 an einem kleinen Bach, die Sanitäranlagen sind aber völlig unzureichend: zu wenige WCs, indiskutable Duschen, die Entleerung der Kassettentoilette kostet extra. Tag 12: NordkappStrecke: Lakselv – Olderfjord – Honningsvåg – Nordkapp (182 km) In der Nacht hat der Regen völlig aufgehört, der Himmel ist nur mehr bedeckt. So brechen wir in Richtung Nordkapp auf. Bei Olderfjord verlassen wir die E6 und fahren auf der E69 weiter, die sich zwischen Berghang und Fjord zwängt. Auf den ersten Kilometern kommen uns sehr viele Autobusse entgegen mit wahrscheinlich jenen Leuten, die die Nacht zuvor am Nordkapp verbracht haben. Auch Touristenfallen, wie z.B. Silberschmiede und Rentierfelle verkaufende Samen (Lappen) werden vorwiegend von Autobusinsassen gestürmt. Nun geht es also entlang des Porsangerfjords dahin, mit größter Vorsicht für den Fahrer, weil unzählige Rentiere den Weg säumen, mit größtem Vergnügen für die Beifahrer, weil sie sich an der herrlichen Natur, den schroffen Felsen, dem ruhig daliegenden Meer und den Tieren erfreuen können. Doch halt, was war das? Da ist doch irgend ein Tier ins Wasser abgetaucht, das größer war als ein Wasservogel, einen Buckel machte? Die Antwort bleibt aus, weil die Straße im ein paar Kilometer langen Skarvbergtunel verschwindet, der zwar entgegen Berichten in Reiseführern nicht nur einspurig ist, aber vor allem wegen seiner schlechten Beleuchtung wiederum große Aufmerksamkeit erfordert. Nach etwas mehr als 60 km treten die Berge etwas zurück, man passiert die alte Fähranlegerstelle nach Honningsvåg und hat auch einen ersten entfernten Blick auf das Städtchen auf Magerøya, der Nordkappinsel, ehe man in den neuen Tunnel abtaucht, der 6,8 km lang ist und an der tiefsten Stelle 212 m unter dem Meeresspiegel liegt. Der Tunnel führt hinüber zur Insel, 537 norwegische Kronen kostet das Vergnügen für uns für die einfache Fahrt (für Fahrzeuge unter 6 m zahlt man erheblich weniger), was etwa 62 EUR entspricht. Dann geht es um eine Bucht und nochmals durch einen langen Tunnel, ehe man den ersten Blick auf Honningsvåg hat. Das Städtchen hat wohl regionale Bedeutung, ist aber vor allem im Sommer Anlaufpunkt für zahlreiche Schiffe, deren Passagiere von hier aus eine Busfahrt zum Nordkapp unternehmen. Wir werden hier an einer Entsorgungsstation unser Abwasser los, dann wird getankt und Geld aus dem Automaten behoben, ehe wir hinauf zum Nordkapp aufbrechen. Die Straße windet sich in einigen Serpentinen hoch hinauf auf das Fjell und führt dann in stetem Auf und Ab in zahlreichen Kurven über 30 km zum Nordkappfelsen. Zahlreiche atemberaubende Ausblicke auf Fels und Meer bieten sich, vorbei am nördlichsten Campingplatz der Welt geht es zum teuersten Parkplatz der Welt.
Die Sonne blinzelt nur dann und wann aus einer weit draußen liegenden Wolkenbank durch, als wolle sie diesen Trubel nicht mitmachen. Tag 13: Rentiere im TunnelStrecke: Nordkapp – Alta – Sørstraumen (360 km)
Dann geht es
wieder auf die E6, südlich von Skaidi zieht das in der Sonne glitzernde
Flüsschen Repparfjordelva die Blicke auf sich. Das Gewässer ist fischreich
und das zieht offensichtlich auch viele Norweger an, denn viele Hütten
verstecken sich mehr oder weniger gekonnt im niedrigen Wald entlang des
Flusses. Dann führt die Straße wieder auf einer Hochebene über viele
Kilometer schnurgerade dahin, ehe sie zum Altafjord hinabführt. In Alta
kaufen wir noch schnell für das Wochenende ein und tanken. Dann geht es den
Altafjord und den Langfjord, der mit seinen 25 km Länge seinem Namen alle
Ehre macht, entlang, dann über einen Bergrücken hinüber zum Kvænangen, einem
weiteren Fjord. Das Wasser glänzt in der Nachmittagssonne, im Hintergrund
erahnt man ein paar Gletscher. „Hier wäre ein Campingplatz schön“, meine ich
– und gleich darauf weist ein Schild kurz vor der Sørstraumenbrücke nach
rechts zum Meer: „Camping, 500 m“. Das sehen wir uns an! Der Platz läge
traumhaft auf einer kleinen Halbinsel im Fjord, ist aber noch Baustelle.
Hier lassen wir uns nieder, direkt am Wasser stehen wir und sehen den deutschen Hobbyfischern zu, wie sie ihren Fang an Land bringen und sich stolz mit den besten Trophäen fotografieren lassen. Tag 14: Sommer in NordnorwegenStrecke: Sørstraumen – Skibotn – Øvergard – Elverom – Narvik – Ballangen – Skarstad (462 km)
Südlich des Fjords verlassen wir für kurze Zeit die E6, um auf der Alternativroute der Straße 87 wieder in ziemliche Einsamkeit einzutauchen. Tiefe Wälder, wenige Häuser und Siedlungen, zahllose Wasserfälle und markante Bergkuppen begleiten unseren etwa 80 km langen Weg, bis wir wieder die E6 erreichen. Als wir nördlich von Narvik wieder ans Meer kommen, ist unser Erstaunen groß: Da baden doch sehr viele Menschen im Meer. Sicher, die Temperaturen liegen nicht weit unter der 30°C-Marke und die Badestellen liegen immer in seichten Buchten, aber das haben wir uns von Nordskandinavien dann doch nicht erwartet!
Tag 15: Der nördlichste Teil des KystriksveienStrecke: Skarstad – Fauske – Saltstraumen – Ørnes (346 km) In der Nacht hat das Wetter umgeschlagen, es regnet ein wenig und es ist deutlich kühler – endlich das „typische“ Skandinavienwetter! Nun geht es zurück zur E6 und zügig zur Fähre, die hier die Unterbrechung der E6 von Skarberg nach Bognes überbrückt. Nur ein paar Minuten warten wir, dann kommt die Fähre und in 20 Minuten sind wir am anderen Ufer, auf dem uns auf der Strecke bis Fauske zahlreiche Bergstrecken mit Kurven und Tunnels erwarten.
Regentropfen treiben uns wieder zum Wohnmobil, dann geht es nach Süden. Eine schöne Landschaft lässt sich hinter Wolken und Nebel erahnen, zahlreiche Ferienhütten säumen den Weg. Zunächst schützen zahlreiche vorgelagerte Inseln vor den Wetterunbilden, doch als wir dann auf die ungeschützte Küste am Atlantik treffen, wird Hannibal vom Wind recht heftig gebeutelt. Bei Reipå, etwa 10 km vor Ørnes, finden wir einen kleinen, aber tadellosen Campingplatz direkt am nachts nahezu nicht befahrenen Kystriksveien. Tag 16: Gletscher, Schiffe und PolarkreisStrecke: Ørnes – Nesna (180 km) Der Tag beginnt trübe, aber trocken. Etwas früher als üblich machen wir uns auf, um rechtzeitig in Ørnes bei der Ankunft des nordgehenden Hurtigrutenschiffes zu sein, denn es ist heute die M/S Nordkapp, die wir in Kirkenes ein paar Tage vorher um ein paar Minuten verpasst hatten.
Hier in Nesna wollen wir den Tag auf dem Campingplatz mit Blick auf das Meer ausklingen lassen. Tag 17: Fähren, FährenStrecke: Nesna – Brønnøysund – Rørvik (243 km) Heute beginnt unser dritter und letzter Tag auf dem Kystriksveien. Er beginnt gleich mit einer Fährüberfahrt von Nesna nach Levang, auf guter Straße ist bald die große Brücke vor Sandnessjøen erreicht. Während wir unsere Essensvorräte dort wieder aufstocken, klart es auf, die Sonne blinzelt durch die Wolken. Wir beschließen, das ruhige Wetter auszunützen und weiter zu fahren, zumal noch weitere Fährüberfahrten auf dem Programm stehen. Nach und nach zeigt sich auch das Bergmassiv der „Sieben Schwestern“, dann geht es über flache Schären und bei hellem Sonnenschein zum Fährhafen Tjotta.
Nur 16 km lang ist die Rv17 auf dem nächsten Abschnitt, dann wartet schon die nächste Fähre auf uns. So ist es bereits früh am Nachmittag, als wir Brønnøysund erreichen. Während der Mittagsrast mit Blick auf die Wasserstraße beschließen wir, nicht schon hier einen Campingplatz zu suchen, sondern die Weiterfahrt bis Rørvik in Angriff zu nehmen. Eine weitere Fährüberfahrt steht als erstes an, dann verlassen wir erstmal die Rv17, den Kystriksveien, und wenden uns über eine Nebenstrecke Richtung Rørvik. Dass uns hier auf nahezu menschenleerer Straße ein Fahrzeug auf unserer Straßenseite entgegenkommt, dessen Fahrer erst im letzten Moment uns registriert, gehört zu den wenigen unerfreulichen Momenten unserer Reise.
Tag 18: Straßen in NorwegenStrecke: Rørvik – Grong – Trondheim – Orkanger – Leirvik (453 km) Ein längerer Fahrtag liegt vor uns. Wir wollen heute zumindest Trondheim hinter uns bringen. So geht es also zunächst nach Osten in Richtung E6. Die letzten Kilometer vor der E6 gestalten sich etwas mühsam, weil das Weidevieh – hier sind es Schafe – die trockene und von der Sonne gewärmte Straße als Ruhe- und Schlafplatz betrachtet und die Fahrzeuge nicht einmal ignoriert. Dann geht es auf der E6 nach Süden, wir passieren Steinkjer und erreichen Levanger, wo wir nicht nur unser Abwasser entsorgen können, sondern auch Mittagsrast halten. Bald geht es dann auf der Autobahn weiter und bald müssen wir auch die Durchfahrtsmaut zahlen, die hier in der Umgebung von Trondheim nicht nur auf der Autobahn, sondern auch im niederrangigen Straßennetz mehrfach kassiert wird. Insgesamt zahlen wir 65 norwegische Kronen, das entspricht etwa 7,60 EUR. Um diesen Preis kann man in Österreich schon 10 Tage auf der Autobahn kreuz und quer fahren! Auch der schöne Blick auf den Trondheimfjord kann einen leichten Groll über diese moderne Art des Raubrittertums nicht ganz vertreiben. Kurz vor Orkanger ist die letzte Mautstation passiert und dann geht es auf der E 39 nach Westen. Langsam zieht sich die Straße in die Höhe und wir passieren ein Skigebiet. Hier könnte man wohl auf einem der Parkplätze übernachten, doch dafür ist es uns noch zu früh. Dann geht es wieder hinunter zum Vinjefjorden. Hier führt die Straße eng am Ufer entlang und sie ist oft nur einspurig mit Ausweichen, was insofern bemerkenswert ist, als es sich ja um eine Hauptverbindungsstraße in Westnorwegen handelt. Aber da der Verkehr äußerst gering ist, macht diese Einspurigkeit auch keine besonderen Probleme. Gegen Ende des Fjordes erreichen wir einen Campingplatz. Dieser liegt zwar direkt neben der Straße, was aber angesichts des fehlenden Verkehrs kein Problem zu sein scheint. Eher stört eine andere Tatsache, was sich aber erst viel später erweist: Das kleine Lokal, das hier dem Campingplatz angeschlossen ist, hat auch das Recht Alkohol zu verkaufen, was in Norwegen nicht so üblich ist. So kommen abends Leute aus der Gegend in dieses Dorfwirtshaus und es geht bis Mitternacht ziemlich rund. Noch etwas Besonderes ist zu erwähnen: Erstmals seit langer Zeit wird es nachts für kurze Zeit wieder einigermaßen dunkel. Tag 19: AtlanterhavsveienStrecke: Leirvik – Kristiansund – Molde – Stranda – Hellesylt (244 km) Strahlender Sonnenschein begrüßt uns beim Aufstehen, ein prächtiger Tag erwartet uns. Nach dem Frühstück geht es weiter auf der E39, die bald am Wasser endet und ein Fähre bringt uns hinüber auf die andere Seite des Fjords. Nach etwa 10 km führt uns eine Brücke hinüber auf eine Insel, der nächste Meeresarm wird dann in einem mautpflichtigen Tunnel unterquert. Noch ein paar Kilometer und dann sind wir in Kristiansund, einer wichtigen Industriestadt in Westnorwegen.
Allzu bald liegt dieser wunderschöne Abschnitt hinter uns und es geht Richtung Molde. Da das Wetter so schön ist, wollen wir auch die weitere Strecke bis Hellesylt noch heute in Angriff nehmen. Wer weiß schon, wie es morgen sein wird?
20 km geht es dann durch ein breites Tal, das von hohen Bergen eingefasst ist bis zum Storfjord und dann diesen etwa 30 km entlang. Dann bringt uns die Fähre über den Fjord hinüber nach Stranda und von hier sind es dann nur noch 30 km bis Hellesylt.
Wir waren hier im Jahr 1993 und hatten den Campingplatz, der direkt am Fjord liegt entdeckt. Er bestand damals aus einer großen Wiese, auf der außen am Rand die Campingfahrzeuge und Zelte standen und einem kleinen Sanitärgebäude, das damals durchaus ausreichend war. 1999 kamen wir wieder und fühlten uns wohl. Diesmal zogen wir also in Erwägung zwei Nächte zu bleiben und eine Fahrt mit der Fähre durch den Geirangerfjord zu machen. Diesmal sind wir enttäuscht – auch hier hat die Tourismusindustrie Einzug gehalten. Der Platz ist voll, von freier Wiese kann keine Rede sein. Wir ergattern zwar noch einen Platz ganz vorne, doch auch am Wasser kann man nicht mehr stehen, denn da wurde ein etwa 1 m hoher Wall aufgeschüttet, auf dem nur Zelte stehen können. Das wäre nicht schlimm, schlimm ist allerdings, dass das Platzgelände um ein gutes Stück erweitert wurde, ohne dass man die Sanitäreinrichtungen dem Umstand angepasst hätte. Auf dem zusätzlichen Platzteil stehen nun Dauercamper, auch ein guter Teil des „alten“ Platzes ist von Dauercampern belegt. Alles in allem fühlen wir uns nicht mehr besonders wohl und beschließen, dass wir nur eine Nacht bleiben wollen. Die Fähre soll uns am nächsten Morgen mit Hannibal hinüber nach Geiranger bringen. Abends machen wir noch einen Spaziergang in den Ort zum großen Wasserfall, der sich hier ins Meer ergießt und entdecken die Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobile an der Tankstelle. (Diese Ver- und Entsorgungsstation war auch für den Campingplatz schon 1993 versprochen worden, findet sich aber noch immer nicht dort. Das passt leider in das Gesamtbild des Platzes.) Die letzte Fähre liegt am Anleger, einige arbeitende Leute befinden sich noch an Bord. Sonst wirkt der Ort fast wie ausgestorben, wären da nicht noch ein paar Jugendliche, die sich in der Nähe des Fähranlegers herumtreiben.
Tag 20: GeirangerfjordStrecke: Hellesylt – Geiranger – Lom – Otta – Dombås – Tynset (340 km) Der Morgen begrüßt uns wieder mit blitzblauem Himmel, die Sonne steht noch etwas hinter den Bergen. Dafür liegen drei Kreuzfahrtschiffe draußen auf dem Wasser und die Passagiere werden mit kleinen Booten an Land gebracht. Der entsprechende Anleger befindet sich direkt beim Campingplatz und 3 m vor unserem Wohnmobil ziehen nun nicht enden wollende Karawanen von Touristen zu unzähligen Autobussen, die schon vor dem Campingplatz warten. Viele der Touristen zweigen noch vor dem Einsteigen zu den Campingplatztoiletten ab und die Campingplatz-„Bewohner“ haben das Nachsehen. Dann werden sie Bus für Bus abgekarrt, zuerst zum Wasserfall von unten, dann von oben und dann weiter ins Hinterland. Wieder einmal sind wir glücklich, nicht so sehr mit den Massen schwimmen zu müssen.
Als Hürde gestalten sich die ersten 100 m in Geiranger: Touristen laufen kopflos über die Straße, rechts und links ist alles verparkt, Busse stehen in zweiter Spur und niemand macht Anstalten ein wenig zur Seite zu fahren. Doch irgendwie kommen wir dennoch hier hinaus und dann geht es in Spitzkehren hinauf auf mehr als 1000 m Seehöhe. Während sich die Beifahrer auch am atemberaubenden Ausblick erfreuen können, ist der Fahrer ziemlich auf die Straße konzentriert.
Von nun an geht es sachte aber stetig bergab. Wir möchten irgendwo Mittagsrast halten und es gäbe auch unzählige Möglichkeiten dazu, aber wir haben kein Brot mehr an Bord und es findet sich kein Ort, in dem man Brot kaufen könnte. Irgendwo gibt es dann das Brot in einem „Supermarkt“, von der Angelschnur bis zur Milch, vom Mittel gegen Insekten bis zum Brot, von fürchterlichen Souvenirs bis zu Erdbeeren gibt es alles in diesem Kuriositätenladen. Doch dann haben wir wieder Mühe, einen geeigneten Rastplatz zu finden. In Lom mit seiner Stabskirche ist wieder der Bär los, Autobusse und Scharen von Touristen verraten auch dem Uneingeweihten, dass es hier eine Sehenswürdigkeit gibt. Nichts gegen Lom, nichts gegen Stabskirchen – wir haben schon einige gesehen und das unter viel angenehmeren Rahmenbedingungen. So bleiben wir hier nur an der roten Ampel stehen. Den Rastplatz gibt es dann am Vågåvatnet: Neben einem Campingplatz gibt es einen großen Parkplatz mit Tischen und Bänken und da es auch recht warm geworden ist, sieht man auch Leute beim Baden. Etwa 50 km trennen uns noch von der E6 bei Otta, wo uns wieder Touristenrummel erwartet. Hier biegen wir nach Norden ab, wo es durch das Tal noch bis Dombås geht. Dann windet sich die E6 hinauf auf das Dovrefjell, einer Hochebene, die mir immer wieder mit ihrer Weite und relativen Unberührtheit imponiert.
Etwa 10 km nördlich von Tynset liegt ein Campingplatz an der Straße, die selbst jetzt um 18 Uhr kaum befahren ist. So wagen wir es hier unser Nachtlager direkt am glucksenden Fluss aufzuschlagen. Lang steht noch die Sonne am Himmel und wider Erwarten werden nicht einmal die Gelsen lästig. So genießen wir den Blick auf die von der Abendsonne beschienenen Berge und die im Fluss stehenden Fischer. Tag 21: 1. Schwedisches drrc-TreffenStrecke: Tynset – Rorøs – Åsarna – Galåbodarna – Åsarna (368 km) Den Abstecher nach Schweden machen wir, weil wir hier Christoph Schenk treffen wollen, den wir von Treffen der Newsgroup de.rec.reisen.camping (drrc) kennen und der sich in der Nähe von Åsarna einige Miethütten baut, um dann später hier auch zu leben. Außerdem sind auch Karin und Michael – beide ebenfalls von diesen Treffen uns bestens bekannt – hier auf einem Campingplatz, da Michael Christoph beim Bau hilft und Karin noch ein paar Tage Urlaub hier verbringt. Für uns geht es zunächst bis Røros, wo wir unsrer letzten norwegischen Münzen beim Einkauf loswerden. Dann geht es sachte hinauf zur norwegisch-schwedischen Grenze. Fast allein sind wir auf der Straße, die Landschaft mit ihren unzähligen kleinen und größeren Seen fasziniert wiederum im Sonnenlicht. Dann sagen wir Norwegen „Auf Wiedersehen!“ Erstmals haben wir das Land nicht frühzeitig verlassen, weil wir nicht wussten, was wir zum Essen einkaufen sollten, erstmals haben wir uns ohne jede Einschränkung wohl gefühlt. Dass wir wieder einmal kommen wollen, ist wohl sicher.
Karin und Michael wissen bereits von unserem Erscheinen, meinen aber, dass es noch nicht an diesem Tag sein werde. So ist doch ein gewisses Maß an Überraschung da, die sich zur Wiedersehensfreude auf beiden Seiten gesellt.
Tag 22: 27 Jahre späterStrecke: Åsarna – Sveg – Mora – Karlskoga (452 km) Am Morgen genießen wir das von der Besitzerin des Campingplatzes selbst gebackene Gebäck, ehe wir uns von Karin und Michael verabschieden. Obwohl der Campingplatz sehr schön und in herrlicher Aussichtslage ist, so wollen wir doch wieder in Richtung Heimat ziehen. Wir wollen über den uns schon bekannten Innlandsvägen Richtung Süden ziehen und dann südwestlich von Mora in Richtung Karlskoga abbiegen. In Sveg kaufen wir ein, obwohl es Sonntag ist, aber in Schweden sind die Supermärkte auch sonntags geöffnet. Dann umfängt uns der dichte Wald der Orsa Finnmark, ehe wir an das dichter besiedelte Gebiet des Siljan gelangen. Recht einsam geht es dann durch die Wälder entlang der Straße 64. Unser Ziel ist der Campingplatz Lunedet ein paar Kilometer nördlich von Karlskoga. Vor 27 Jahren haben wir diesen Campingplatz entdeckt. Wir waren damals zum ersten Mal mit dem von unserer Tante Reli ausgeborgten Hauszelt in Skandinavien. Eigentlich wollten wir in Karlskoga ein Privatzimmer organisieren, weil das Wetter nicht gut war und gingen zur Touristeninformation. Privatzimmer bekamen wir keines, wurden aber auf den Gemeindecampingplatz Lunedet verwiesen. Dieser bestand aus einer großen Wiese, auf der drei oder vier Zelte standen, und einem ganz neuen und beheizten Sanitärgebäude. Außerdem wurde damals keine Gebühr eingehoben. Wir blieben dann dort länger als geplant, weil es uns so gut gefiel und besuchten eine Ausstellung über Alfred Nobel, der in diesem Ort lebte und arbeitete. Und wie sieht es heute dort aus? Ein Freizeitzentrum ist entstanden, Autobusse laden ihre Fracht aus, man wartet lang bei der Kassa eines Selbstbedienungsrestaurants, um sich auf dem Campingplatz anzumelden, unzählige Wohnwägen – auch von Dauercampern – stehen auf der so einsamen Wiese und das Sanitärgebäude hat seit 1977 keine frische Farbe gesehen. An eine Alternative ist an diesem Tag nicht mehr zu denken, da es schon viel zu spät ist, aber wir sind recht enttäuscht darüber, was aus unserem Fleckchen von einst geworden ist. Wieder hat die Tourismusindustrie zugeschlagen. |
Stand: 30.04.06