Homepage der Familie Messerschmidt - Skandinavien 2004

 

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Sommer 2004 - Skandinavien

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Irgendwann in der Zeit zwischen Winter und Juli 2004

 

Wie so oft tauchte auch in diesem Jahr irgendwann im Winter die Frage nach unserem Urlaubsziel im Sommer auf. Einer von uns brachte Skandinavien ins Spiel und die beiden anderen hatten nichts besseres zu tun, als dem freudig zuzustimmen. Somit konnte ich ans Werk gehen und mich mit dem Norden befassen, um Gegenden zu finden, in denen wir noch nicht waren. Einerseits war das gar nicht so einfach, weil wir zu diesem Zeitpunkt schon sechsmal im Norden waren (bei unserem Vater kam ein weiteres Mal hinzu), andererseits ist Skandinavien so groß, dass man wirklich nicht so leicht alles kennen kann.

Nach einigem Kartenstudium fasste ich den Kystriksveien Rv17, die Küstenstraße zwischen Bodø uns Steinkjer, ins Auge. Als ich die Erstplanung dem Familienrat vorlegte, meinte unser Vater: „Aber nach Berlevåg fahren wir auch.“ Nun liegt besagter Ort Berlevåg, den wir schon von vergangenen Reisen kannten, nicht am Kystriksveien, sondern weit mehr als 1000 km nördlicher am Eismeer.

Der äußerste Norden Norwegens, die Finnmark, ist eine besonders schöne „Ecke“ in Europa. Nach einigen Überlegungen kamen wir zum Schluss, dass wir diesmal auch zum Nordkapp (Norwegische Schreibweise für das deutsche „Nordkap“) wollten, das wir bei einigen anderen Reisen standhaft umgangen hatten. Wie immer wählten wir für die Anreise in den Norden eine möglichst schnelle Route, diesmal die E4 entlang des Bottnischen Meerbusens. Auf dem Rückweg von der Finnmark wollten wir entlang des Kysriksveien fahren. Außerdem hatten wir vor einen Bekannten aus der Newsgroup de.rec.reisen.camping in Mittelschweden zu besuchen.

Als nun am Tag vor der Abreise unser Vater meinte, er wolle die Orte Grense Jakobselv (an der norwegisch – russischen Grenze in der Finnmark), Berlevåg, Nordkapp und  Hellesylt am Geirangerfjord (was ganz außerhalb des geplanten Weges liegt) besuchen, war mir klar, dass es auch auf dieser Fahrt Umplanungen geben werde.

Das war unsere Route:

 

Tag 1: Stau

Strecke: Graz – Passau – Regensburg - Hof (561 km)

Wohnmobil Hannibal steht fertig gepackt in den Startlöchern. Um etwa 10 Uhr sind auch wir startbereit, Wertsachen, wie Fotoapparat und Geld werden noch verstaut, ebenso die Reste des heimatlichen Kühlschrankinhalts. Endlich geht die Fahrt los, auf die wir uns schon so sehr gefreut haben. Strömender Regen und tiefe Temperaturen begleiten unsere Abfahrt. Haben wir auch alles mit? Wie immer stellen wir uns diese spannende Frage, deren Antwort meist auf sich warten lässt. Nun, diesmal sind es einige Adressen und Telefonnummern und etwas mehr Kleidung für wärmere Tage, die daheim geblieben sind.

Staus in Richtung Süden meldet der Verkehrsfunk. Wird uns das stören? Wir fahren doch nach Norden! An der Raststelle Aistersheim westlich von Wels in Oberösterreich ist unser erster Halt. Diese Raststelle kann von beiden Seiten der Autobahn aus angefahren werden. Wir trauen unseren Augen kaum: Ein große Zahl von Fahrzeugen wartet an der Tankstelle, der Parkplatz ist fast voll. So haben wir diese Raststätte noch nie gesehen. Wir wollen im Restaurant zu Mittag essen, doch wenn man die Menschenmassen hier sieht, überlegt man sich es doch anders: Selbst wenn wir das Essen einigermaßen warm und vollständig durch die Kasse bringen, so müssen wir doch damit rechnen, dass wir keinen Sitzplatz bekommen werden. Wir erleben den Stau eben nicht auf der Straße sondern im Restaurant. Lieber verzichten wir auf ein Mittagessen hier, wir fahren zum nächsten Parkplatz und genießen im Restaurant Hannibal***** eine exquisite kalte Platte mit Wurst und Käse.

Weiter geht es über Passau  – nun bei trockener Straße und gelegentlichem Sonnenschein – und die für uns doch recht eintönige Strecke nach Regensburg, wo wir uns dann nach Norden wenden. Auf dem Wohnmobilstellplatz Untreusee in Hof schlagen wir unser erstes Nachtquartier auf.

 

Tag 2: Durch Deutschlands Osten

Strecke: Hof – Berlin – Rostock – Kühlungsborn (561 km)

Ostseeküste bei KühlungsbornBei wechselhaftem Wetter, zeitweiligem Regen und zunehmend heftigerem Wind fahren wir nun weiter über Leipzig und Berlin nach Norden. Gegen 18 Uhr erreichen wir Rostock. Der Stellplatz in Warnemünde gefällt uns nicht, zudem ist er an diesem Tag für Wohnmobile wegen einer Veranstaltung gesperrt. So wenden wir uns nach Westen und erreichen nach etwa einer halben Stunde den Stellplatz am Parkplatz „Steilküste“ in Klein Bollhagen ein paar Kilometer östlich von Kühlungsborn. Um 4 Euro pro Nacht parken wir hier zusammen mit etwa 15 weiteren Wohnmobilen auf einem breiten Wiesenstreifen und geschützt von Bäumen. Der Platz liegt direkt am Meer und wir sind von den relativ hohen Wellen in der Ostsee beeindruckt. Nachteil des Platzes ist, dass das WC-Gebäude nachts geschlossen ist und auch die vorhandene Ver- und Entsorgungsstation nur zu bestimmten Zeiten genutzt werden kann.

 

Tag 3: Durch Dänemark

Strecke: Kühlungsborn – Lübeck – Puttgarden – Rødby – Kopenhagen – Lund – Landskrona (446 km)

Der Bäcker kommtWährend des Frühstücks, für das der Bäcker frische Semmeln gebracht hat, überlegen wir uns, wo wir nun nach Dänemark übersetzen wollen. Für Rostock spricht die relativ geringe Entfernung, die wir dahin zurücklegen müssten, dagegen die recht seltenen Abfahrtszeiten der Fähre und die längere Überfahrtszeit. Gegen die Vogelfluglinie Puttgarden – Rødby spricht die weitere Anfahrt, dafür die häufigeren Überfahrten und die recht kurze Überfahrtszeit. Schließlich entscheiden wir uns für die Vogelfluglinie, weil angesichts unserer geringen Seefestigkeit die geringe Überfahrtszeit von 45 Minuten punktet.

Lübeck ist schnell erreicht, die Durchfahrt durch die Stadt ist etwas zäh, dann geht es weiter mit einem kurzen Halt zum Ver- und Entsorgen in Scharbeutz nach Puttgarden. Dort lösen wir ein Kombi-Ticket für die Fähre und die Öresundbrücke. Ob die Öresundbrücke angesichts des starken Windes wohl befahrbar sei, frage ich. Eine typische Binnenländer-Frage ist das wohl, wie aus der Antwort der schallend lachenden Ticket-Verkäuferin hervorgeht: „Der Wind bringt ja nicht einmal einen Schmetterling vom Kurs ab!“ Dann fährt uns die Fähre vor der Nase davon, aber kaum ist die weg, schon legt eine weitere an und gleich darauf fahren wir an Bord.

Fähre auf der VogelfluglinieDie Sonne scheint und der Wind bläst sehr heftig, wie versprochen bringt das aber auch keine Fähre vom Kurs ab und nach einigem Schaukeln landen wir pünktlich in Rødby. Eine kurze Mittagsmahlzeit im Restaurant Hannibal, dann queren wir Dänemark und verlassen das Land wieder über die Öresundbrücke.  

Ein Campingplatz für die Nacht will gefunden werden. Freie Stellplätze abseits von Campingplätzen sind in dieser Region angeblich unsicher, die Campingplätze durch Schweden ziemlich besetzt. In Landskrona stoßen wir auf einen Platz direkt am Meer, was uns gefällt. Stromanschlüsse gibt es keine mehr und die Parzellen sind auch recht klein. Schließlich finden wir doch noch einen geeigneten Platz und beschließen noch einen Strandbummel. Doch halt, was ist das? Hat da ein Nachbar sein Radio zu laut aufgedreht? Doch nein, es ist kein Nachbar, es findet „Tanz auf der Brücke“ statt und von dort wird auch der Campingplatz ziemlich laut beschallt. Hätten wir das gewusst, wären wir hier nicht geblieben. Brauchen die Skandinavier nun auch schon Animation auf ihren Campingplätzen?

 

Tag 4: Wald, Wald und nochmals Wald

Strecke: Landskrona – Helsingborg – Jönköping – Linköping – Norrköping – Kolmården (435 km)

Um 23 Uhr war die Musik zu Ende und die anschließende Nacht auch recht ruhig. Nach einem notwendigen Boxenstopp bei einem Einkaufszentrum, wo wir unsere Essensvorräte auffüllen, wollen wir heute eine gute Strecke weiterkommen.

Während bei unserer Ankunft in Schweden und auch um Helsingborg landwirtschaftliche Flächen mit vielen Getreidefeldern dominieren („Här växar bröd“ – „Hier wächst Brot“ verkünden viele Tafeln in Feldern), umfängt uns nach wenigen Kilometern nach einem kurzen Anstieg der Wald. Dieser tiefe Wald umhüllt gleichsam die Straße E4, gibt nur kurz in Ortschaften den Blick ein wenig frei, um kurz darauf wieder alles in seinen Bann zu ziehen. Wildzäune begleiten die Straße – wie sollen wir da je einen Elch zu Gesicht bekommen? Doch auf der Straße ist es wohl auch besser so, auf Crashtests mit Elchen können wir gern verzichten. Der Mittagsrastplatz liegt idyllisch an einem Wasserlauf, saubere WCs und regelmäßig entleerte Abfallkörbe sind in Skandinavien eine Selbstverständlichkeit.

Weiter geht es, wir erreichen Jönköping und hoch über dem Vättern(see) geht es mit schönen Ausblicken auf den See weiter, dann passieren wir Linköping, die Stadt, in der die Saab-Flugzeugproduktion ihren Sitz hat, was man an den ausgestellten Draken und Gripen erkennen kann. Hier tritt der Wald auch wieder zurück und lässt wieder Wiesen und Feldern Platz.

Sporthafen am CampingplatzUnseren Tagesendpunkt finden wir etwas östlich von Norrköping, im Bereich des Kolmårdens, eines Höhenrückens, dessen dichter Wald einst Verbrechern und Unholden Unterschlupf gegeben haben soll. Jetzt findet sich dort ein Touristenort, auf dem Campingplatz bekommen wir noch einen schönen und großen Stellplatz. Ein Spaziergang führt uns zum Meer, in der Bucht gegenüber befindet sich eine Cellulosefabrik, deren Abgasfahne weit von uns weg weht, dann erklimmen wir den Hügel am Campingplatz und beobachten dort die Kinder auf der Wasserrutschbahn. Richtig, es ist bereits wieder so warm, dass man entfernt ans Baden denken könnte! Nachts wird es erstmals nicht mehr richtig dunkel.

 

Tag 5: Kilometerfressen

Strecke: Kolmården – Stockholm – Gävle – Sundsvall – Ramvik (625 km)

Heute wollen wir möglichst weit nach Norden gelangen. Das Wetter ist gut und so steht unserem Vorhaben nichts im Weg. Stockholm ist trotz des starken Verkehrsaufkommens schnell passiert, bald erreichen wir Uppsala, wo sich an einer Kreuzung am Straßenrand Hasen tummeln. Zwischen Uppsala und Gävle halten wir Mittagsrast, dann geht es auf der E4 zügig nach Norden, durch Wald, größere und kleinere Orte.

Schwedische KlischeelandschaftIn der Nähe der Höga Kustbronn der Brücke an der „Hohen Küste“ („Hohe Küste“ heißt der Landstrich, weil hier die Landhebung seit der letzten Eiszeit besonders stark ist) nördlich von Harnösand gibt es einen im Campingführer schön beschriebenen Campingplatz. Leider ist dieser bis auf den letzten Platz voll, aber man nennt uns einen anderen Platz etwas weiter nördlich an der alten E4. Dieser Campingplatz ist bei weitem noch nicht voll, er ist sehr schlicht aber sauber und bietet einen schönen Ausblick auf einen See. Leider stört zumindest tagsüber die direkt am Platz vorbei führende alte E4 ein wenig.

 

Tag 6: Weiter nach Norden

Strecke: Ramvik – Luleå (431 km)

Beim Campingplatz in LuleåWeiter geht es heute bei wechselhaftem Wetter mit etwas mehr Regen nach Norden. Am späten Nachmittag erreichen wir Luleå und schlagen auf dem dortigen Campingplatz, der im lichten Nadelwald auf einer kleinen Insel liegt, unser Nachtlager auf. Das Campinggelände ist weitläufig, beherbergt die Ruinen einer Erzverladeeinrichtung und Erzverarbeitung und lässt Naschkatzen Schwarzbeeren (Blaubeeren, Heidelbeeren) pflücken, die leider an nur wenigen sonnigen Plätzchen schon reif sind. Obwohl der Platz an sich ruhig ist, stört bis in die Nacht hinein eine Musikveranstaltung auf einem angrenzenden Freizeitgelände.

 

Tag 7: Rentiere

Strecke: Luleå – Haparanda – Rovaniemi – Ivalo (545 km)

 (Wenn du, geschätzter Leser, bis hierher durchgehalten hast, dann kannst du ermessen, wie weit es eigentlich von Graz aus in den Hohen Norden ist. 3056 km sind wir bisher schon gefahren und erst jetzt treten wir in jenes Gebiet ein, das auch als Nordkalotte bezeichnet wird, als Gebiet nördlich des Polarkreises. Wer so weite Reisen mit dem Auto oder Wohnmobil scheut, ist bei einer solchen Reise wohl fehl am Platz. Wir empfinden allerdings auch die Anreise als Teil des Urlaubs.)

Heute erwartet uns also der äußerste Norden Landeuropas und wie zum Empfang scheint die Sonne vom makellos lauen Himmel, zudem ist es recht warm. Zwischen Luleå und der finnischen Grenze gibt es einige schöne Ausblicke auf den Bottnischen Meerbusen und mit Erstaunen stellt man fest, dass hier nur mehr recht niedrige Bäume gedeihen. Das Landschaftsbild ist auch auf der finnischen Seite dasselbe, allein die Sprache ist eine andere und zudem völlig unverständlich. Schon zu Mittag erreichen wir Rovaniemi, das ich eigentlich als Etappenziel auserkoren habe. Da wir das Arktikum hier schon 2001 besucht hatten und an der Touristenfalle am Polarkreis mit Weihnachtsmann & Co. nicht interessiert sind, machen wir nur eine kurze Pause und dann wollen wir noch tanken, um nicht in der Weite Nordfinnlands ohne Diesel dazustehen.

Hier werden wir nun mit einer weiteren Besonderheit des vereinten Europa bekannt gemacht. Konnte man in Schweden am Tankautomaten mit der Kreditkarte nur um 400 schwedische Kronen (etwa 42 EUR) tanken, was sehr nett ist, wenn man dann bei einem Tankinhalt von knapp 100 Litern quasi zweimal tanken muss, so werden hier in Finnland im Ausland ausgestellte Kreditkarten an Tankautomaten oft gar nicht akzeptiert. Die Tankstelle am Polarkreis akzeptiert solche und hat zudem einen günstigen Dieselpreis, also „füttern“ wir hier noch schnell unseren Hannibal.

Rentiere auf der Straße!Nördlich von Rovaniemi beginnt die große Einsamkeit – niedrige Wälder, Moorlandschaften, dann und wann ein Holzhäuschen. Das erste Rentier taucht neben der Straße schon kurz hinter Rovaniemi auf. Fahrer und Beifahrer suchen Straße und Straßenrand ständig nach diesen Tieren ab, die sich so flink und unberechenbar bewegen, dass nur vorausschauendes und teilweise langsames Fahren vor Kollisionen schützt. Irgendwo ist plötzlich Polizei mit Blaulicht auf der Straße: ein Autobus hat offensichtlich ein Rentier überfahren, die Businsassen laufen wie aufgescheuchte Hühner über die Straße, um zu fotografieren.

Mitternacht am Inari-SeeAm späten Nachmittag erreichen wir die Gegend um den Inarisee. In der Nähe von Ivalo ist für uns auf dem Ukonjärven Lomakylä Camping der Endpunkt der Tagesetappe.

Der Platz liegt im lichten Nadelwald, hat schon bessere Zeiten gesehen, ist aber sauber. Unser Stellplatz liegt unweit des Seeufers und zu unserem Erstaunen gibt es keine Gelsen (Mücken). Keine Animation, dafür ein freier Internetzugang und eine herrliche Landschaft bieten sich hier – uns gefällt es.

 

Tag 8: Verscheuchen des Hurtigrutenschiffs M/S Nordkapp

Strecke: Ivalo – Inari – Neiden – Kirkenes – Grense Jakobselv – Kirkenes (346 km)

Heute soll es entlang des Inarisees hinüber nach Norwegen gehen. Wenn alles klappt könnten wir dort das Hurtigrutenschiff M/S Nordkapp vor der Abfahrt noch sehen. Mit diesem Schiff hat es eine besondere Bewandtnis: An Bord des Schiffes befinden sich zwei Web-Kameras, die ihre Bilder laufend ins Internet (http://www.webcamsinnorway.com) stellen. So habe ich die Fahrt des Schiffes von Bergen nach Kirkenes und zurück seit etwa November des Vorjahres regelmäßig im Internet verfolgt und möchte es nun einmal in Natur sehen.

Also ziehen wir los. Zunächst wird noch in Inari getankt und der Tankautomat nimmt nur finnische Kreditkarten oder Geldscheine. Wie viel wird Hannibal wohl brauchen? Er braucht etwas weniger als wir mit dem Geld im voraus bezahlt haben. Was tun? Im angrenzenden Laden, in dem auch Störungen des Tankautomaten gemeldet werden sollen, meint man nur, man solle doch den restlichen Diesel in einen Kanister geben. Der ist aber auch voll und so müssen wir zwei Euro mit grimmigem Blick verschenken.

Die Straße entlang des Inarisees ist zwar asphaltiert aber sehr wellig, weshalb wir nicht immer besonders flott fahren können. Die Vegetation besteht hier aus Moorpflanzen und niedrigem Buschwerk, dann und wann auch niedrigen Birken. Wenige Fahrzeuge sind auf der Straße, die zahlreichen Hütten scheinen bewohnt (es sind wohl Ferienhütten), der einzige „Ort“ an der Straße ist so klein, dass man ihn fast übersehen könnte. Leider hat man nur relativ selten einen Ausblick auf den See.

M/S Nordkapp verläßt KirkenesSchließlich erreichen wir die Grenze um etwa 12 Uhr, noch sind bis Kirkenes 40 km zu fahren und die M/S Nordkapp verlässt um 12.45 Uhr den Hafen – das wird knapp. Noch dazu ist die Straße auch auf norwegischer Seite nicht besser. Schließlich erreichen wir Kirkenes – es ist inzwischen 12.50 Uhr geworden - kurven durch die Stadt  und hinunter zum Hafen: Das Schiff ist gerade ausgelaufen und kehrt uns nur mehr sein Hinterteil zu. „Die haben wir jetzt verscheucht“, meint Roland lachend.

Vielleicht treffen wir die M/S Nordkapp, wenn sie wieder auf ihrem Weg von Bergen nach Kirkenes ist. Jetzt bummeln wir noch ein wenig am Hurtigruten-Anleger, der nun wie ausgestorben wirkt, und halten kurze Mittagsrast.

Finnisch-russische GrenzeNun wenden wir uns nun nach Grense Jakobselv, dem „Ort“ an der norwegisch-russischen Grenze. Vom Stadtzentrum von Kirkenes geht es zuerst etwa 20 km auf guter Straße bis zum Grenzübergang, der nach Nikel und Murmansk in Russland führt, dann etwa 30 km weiter auf einer schmalen Asphaltstraße mit Ausweichen durch eine herrliche Landschaft mit Zweibeinige und geflügelte Fischer in Grense JakobselvFjells, Fjorden und Seen. Das letzte Stück ist eine Schotterstraße mit z.T. gehörigen Schlaglöchern. Dieser Weg führt entlang des Grenzbaches Jakobselva hinaus nach Grense Jakobselv. Norwegische und russische Grenzpfähle markieren den Grenzverlauf, Tafeln in mehreren Sprachen weisen auf das richtige Verhalten an der Grenze hin. Schließlich weitet sich das anfangs enge Tal zu einem weiten Delta, die Kapelle von Oscar II. zeigt, dass es nicht mehr weit ist. Ein offenes Café, eine Felsnase und dann viele geparkte Fahrzeuge, das ist Grense Jakobselv. Wir parken, steigen aus, sehen uns um: einige militärische Anlagen zu beiden Seiten der Grenze, eine recht ramponierte Mole, die Barentssee glitzert und im Vordergrund Fischer und auf Abfälle wartende Möwen, dazu einige Kinder, die am Wasserrand planschen.

Hier könnten wir wohl gut übernachten und wir wären wohl auch nicht allein, denn die drei weiteren Wohnmobile hier sehen nicht so aus, als würden sie so schnell weiterfahren. Aber zumindest bis zur Abfahrt der PKWs bekäme man keinen wirklich ordentlichen Stellplatz und so fahren wir die schon bekannte Strecke zurück nach Kirkenes. Dort beginnen wir mit der Campingplatzsuche. Gleich auf dem ersten Platz ist frei, allerdings stellt sich das Gelände für Wohnwägen und Wohnmobile als einfacher geschotterter Parkplatz heraus, auf dem die Fahrzeuge kreuz und quer abgestellt werden. Die Sanitäranlagen sind sauber und als Highlight ziehen hier immer wieder Rentiere durch. Die nahe E6 stört nachts überhaupt nicht.

 

Tag 9: Über die Varanger-Halbinsel (Varangerhalvøya)

Strecke: Kirkenes – Tana bru – Berlevåg (285 km)

Heute müssen wir zunächst etwas einkaufen und wollen das gleich in Kirkenes tun, da wir auf dem geplanten Weg nach Berlevåg durch keine größeren Orte kommen werden.

Entladen der M/S VesterålenDa wir gerade um 10 Uhr in Kirkenes ankommen, wollen wir zunächst aber einmal die Ankunft des Hurtigrutenschiffs M/S Vesterålen beobachten. Überall läuft dasselbe Spiel ab: Ein Fahrzeug von Nor-Cargo kommt, dann fährt ein Gabelstapler, dessen Fahrer auf die Ankunft des Schiffes wartet, das er dann vertäut. Anschließend führt er die Verladung der Güter durch.

Alle Hurtigrutenschiffe, auch die ganz großen der neuen Generation, sind äußerst wendig. Sie haben auf der Backbordseite – also links – Klappen, die zum Be- und Entladen geöffnet werden, nachdem das Schiff am Kai liegt. Die kleinere Klappe dient als Gangway, die größere dient zum Verladen von Gütern, die über einen Transportlift in den Laderaum gebracht werden, womit die Größe des Transportgutes beschränkt ist. Maximal Fahrzeuge in der Größe eines kleinen VW-Busses können mitgenommen werden.

In Kirkenes ergießt sich eine große Zahl von Passagieren auf das Land. Ein kleiner Teil beendet hier die Reise, die meisten werden jedoch in die schon wartenden Autobusse verfrachtet und zu Besichtigungen geführt. Die am meisten hier gehörte Sprache ist Deutsch, das Durchschnittsalter der Touristen liegt wohl jenseits der 60-Jahr-Grenze. Alles scheint gut organisiert und nach kurzer Zeit ist der Kai nahezu menschenleer.

Nun aber wirklich zum Einkauf - den Supermarkt in Kirkenes haben wir aus dem Jahr 1996 in zwar nicht besonders guter Erinnerung, jetzt sind wir positiv überrascht von einer gut bestückten Gemüseecke (das gab es selbst vor drei Jahren noch nicht so häufig) und einem einigermaßen guten Warenangebot, wobei die Preise schon etwas über jenen in Österreich liegen.

Die nun anschließende Fahrt nach Osten führt uns bei Prachtwetter mit angenehmen Sommertemperaturen zu unserem Mittagsrastplatz am Varangerfjord: ein blitzsauberer Parkplatz mit ebensolchen WCs, ein prächtiger Ausblick über den Fjord bis hinüber nach Vadsø, Informationstafeln zur Umgebung und viel, viel Ruhe.

Dann ist Tana bru schnell erreicht, wir wenden uns auf die Straße nach Berlevåg zu. Nach ein paar Kilometern kommt eine elende Baustelle: 20 km Schotterpiste, an einer Stelle arbeiten ein Bagger und ein LKW. Doch auch das wird überwunden und dann geht es auf recht guter Straße hinauf auf das Fjell in etwa 250 m Seehöhe. Hier hatten wir bei unseren ersten Besuchen schon Schnee gesehen, diesmal ist es wohl viel zu warm. Kurz vor der Abzweigung nach Båtsfjord glitzert das Wasser eines größeren Sees rechts und das eines kleineren links von der Straße, dann geht es vorbei an Feriensiedlungen und hinunter zum Meer. Tolle Felsformationen und weite Sandstrände nehmen das Auge gefangen, ehe der Leuchtturm Kjølnes fyr das nahe Berlevåg verkündet.

"Überfüllter" Campingplatz in BerlevågGleich nach der Ortseinfahrt biegen wir zum Campingplatz ab, der direkt am Hafen liegt und einen guten Blick auf den Hurtigruten-Anleger und die beiden mächtigen Schutzmolen hat. Hier wollen wir nun zwei Nächte bleiben, zumal das Wetter ja so gut ist. 27 °C zeigt inzwischen das Außenthermometer und das am Eismeer! So verbringen wir den Nachmittag mit Lesen, Handarbeiten und Kochen.

Am späten Abend zieht es uns zum Hurtigrutenanleger. Aber was heißt hier schon „später Abend“? Die Sonne scheint, jedermann ist im Freien, die Vögel sind aktiv, obwohl es gegen 22 Uhr ist. Dann kommt zuerst das südgehende Schiff, die MS Vesterålen, die wir ja schon von Kirkenes kennen. Das nordgehende Schiff, die M/S Finnmarken, taucht auch bald auf, muss aber draußen vor der Hafeneinfahrt warten, bis die M/S Vesterålen den Hafen M/S Kong Harald und M/S Finnmarken in Berlevågverlassen hat. So wird also zuerst die M/S Vesterålen zuerst abgefertigt, die kurz an Land gegangenen Passagiere werden mit einem einmaligen Tuten wieder an Bord geholt und dann verlässt das Schiff den Hafen. Draußen begrüßen die beiden Schiffe einander mit dreimaligem Tuten,  ehe sich das Ritual von Anlegen, Be- und Entladen und Ablegen bei der M/S Finnmarken, die darauf hereinkommt, wiederholt.

Müde und voll von Eindrücken kehren wir in der Mitternachtssonne zum Campingplatz zurück.

 

Tag 10: Hitzetag in Berlevåg

BerlevågDer warme, föhnige Südwind bläst schon ziemlich stark beim Aufstehen, der geplante „Stadtbummel“ soll also bald absolviert werden, ehe die Temperaturen zu hoch klettern. So gehen wir also hinüber zum Fischerhafen, bewundern das Hotel (und sind froh, dass wir unser eigenes rollendes Hotel haben), staunen über den Krimskrams in den Auslagen, erklimmen den Hügel vorbei an Kindergarten, Kirche und Friedhof und holen uns im Spar-Markt noch die Zutaten für unser heutiges Mittagessen: Karbonader (Fleischlaibchen) mit Erdäpfelsalat.

Badetag am EismeerAm Nachmittag findet Roland einen Anschlag in der Rezeption: „If you ever wanted to swim in the Arctic Sea, do it today!“ Schwimmen wollen wir zwar nicht, aber die Füße dürfen im eiskalten Wasser (ca. 15 °C) baden.

Abends beobachten wir noch das Anlegen der Hurtigrutenschiffe M/S Finnmarken und M/S Kong Harald vom Campingplatz aus.

 

Tag 11: Elche

Strecke: Berlevåg – Båtsfjord – Tana bru – Karasjok – Lakselv

Nachts haben wir ein eher unschönes Erlebnis. Zwei junge Norweger machen sich offensichtlich an unserem Fahrzeug zu schaffen und versuchen (ohne Gewalt) eine der versperrten Klappen zum Stauraum zu öffnen, was das Fahrzeug zum Schaukeln bringt und so unsere Aufmerksamkeit erregt. Auf unsere Frage, was sie wollen, bitten sie auf Englisch um Alkohol, sie sind wohl schon betrunken. Ich herrsche sie nun an, wir hätten nichts, es sei Nacht und wir hätten zu schlafen. Da geben sie kleinlaut bei und ziehen ab.

Morgens hat der Wind etwas gedreht und es ist etwas kühler geworden. Nun kehren wir Berlevåg den Rücken und fahren dieses schöne Straßenstück zurück, aber dann hinunter nach Båtsfjord. Das ist einer der bedeutendsten Fischerorte in Norwegen, gefällt uns aber nicht so gut wie das kleine Berlevåg. Dann geht es wieder hinauf auf das kahle Fjell und hinunter zum Fjord, wobei rechts und links der Straße wieder Laubwald auftaucht.

Elchalarm!Plötzlich steht in einiger Entfernung ein Tier auf der Straße. Achtung, da ist schon wieder ein Rentier! Doch je näher wir kommen, desto klarer wird, dass das kein Rentier sein kann, es ist viel zu groß, viel zu hochbeinig, und als wir schon ganz nahe sind, blickt uns ein offensichtlich relativ junger Elch (das Geweih ist noch recht klein) neugierig an. Ein Elch, unser erster Elch! Ein Bild nach dem anderen wird geschossen, bis das Tier genug hat von der Bewunderung und sich in den Wald trollt. Dort steht ein zweiter Elch! Die Tiere sind so gut getarnt, dass man sie im Wald fast nicht erkennen kann.

Hinunter geht es zum Tanafjord, Kühe grasen auf saftigen Wiesen, die 20 km Baustelle vom Vortag bringen wir auch noch hinter uns, dann geht es den Fluss Tana aufwärts entlang der E6 (an der Küstenstraße waren wir im Jahr 2001 unterwegs). Zunehmend dunkler wird es, Regenwolken brauen sich über unseren Köpfen zusammen und während unserer Mittagsrast am norwegisch-finnischen Grenzübergang Utsjoki entlädt sich ein heftiges Gewitter.

Wenig ist hier an der E6 los, von der immer behauptet wird, man solle sie meiden. Sie wendet sich in Karasjok wieder nach Norden und erreicht bei Lakselv wieder das Meer.

Der Campingplatz in Lakselv ist uns in nicht allzu guter Erinnerung. Deshalb fahren wir ein Stück weiter, um uns dann beim Stabbursdalen Camping während der ersten Regenpause einzuquartieren. Der Platz liegt nicht direkt an der E6 an einem kleinen Bach, die Sanitäranlagen sind aber völlig unzureichend: zu wenige WCs, indiskutable Duschen, die Entleerung der Kassettentoilette kostet extra.

 

Tag 12: Nordkapp

Strecke: Lakselv – Olderfjord – Honningsvåg – Nordkapp (182 km)

In der Nacht hat der Regen völlig aufgehört, der Himmel ist nur mehr bedeckt. So brechen wir in Richtung Nordkapp auf.

Bei Olderfjord verlassen wir die E6 und fahren auf der E69 weiter, die sich zwischen Berghang und Fjord zwängt. Auf den ersten Kilometern kommen uns sehr viele Autobusse entgegen mit wahrscheinlich jenen Leuten, die die Nacht zuvor am Nordkapp verbracht haben. Auch Touristenfallen, wie z.B. Silberschmiede und Rentierfelle verkaufende Samen  (Lappen) werden vorwiegend von Autobusinsassen gestürmt.

Nun geht es also entlang des Porsangerfjords dahin, mit größter Vorsicht für den Fahrer, weil unzählige Rentiere den Weg säumen, mit größtem Vergnügen für die Beifahrer, weil sie sich an der herrlichen Natur, den schroffen Felsen, dem ruhig daliegenden Meer und den Tieren erfreuen können. Doch halt, was war das? Da ist doch irgend ein Tier ins Wasser abgetaucht, das größer war als ein Wasservogel, einen Buckel machte? Die Antwort bleibt aus, weil die Straße im ein paar Kilometer langen Skarvbergtunel verschwindet, der zwar entgegen Berichten in Reiseführern nicht nur einspurig ist, aber vor allem wegen seiner schlechten Beleuchtung wiederum große Aufmerksamkeit erfordert.

Nach etwas mehr als 60 km treten die Berge etwas zurück, man passiert die alte Fähranlegerstelle nach Honningsvåg und hat auch einen ersten entfernten Blick auf das Städtchen auf Magerøya, der Nordkappinsel, ehe man in den neuen Tunnel abtaucht, der 6,8 km lang ist und an der tiefsten Stelle 212 m unter dem Meeresspiegel liegt. Der Tunnel führt hinüber zur Insel, 537 norwegische Kronen kostet das Vergnügen für uns für die einfache Fahrt (für Fahrzeuge unter 6 m zahlt man erheblich weniger), was etwa 62 EUR entspricht.

Dann geht es um eine Bucht und nochmals durch einen langen Tunnel, ehe man den ersten Blick auf Honningsvåg hat. Das Städtchen hat wohl regionale Bedeutung, ist aber vor allem im Sommer Anlaufpunkt für zahlreiche Schiffe, deren Passagiere von hier aus eine Busfahrt zum Nordkapp unternehmen. Wir werden hier an einer Entsorgungsstation unser Abwasser los, dann wird getankt und Geld aus dem Automaten behoben, ehe wir hinauf zum Nordkapp aufbrechen.

Die Straße windet sich in einigen Serpentinen hoch hinauf auf das Fjell und führt dann in stetem Auf und Ab in zahlreichen Kurven über 30 km zum Nordkappfelsen. Zahlreiche atemberaubende Ausblicke auf Fels und Meer bieten sich, vorbei am nördlichsten Campingplatz der Welt geht es zum teuersten Parkplatz der Welt.

Aussicht vom NordkappplateauZunächst muss man einmal den Zutritt berappen: 190 norwegische Kronen, das sind etwa 22 EUR. Auch Leute, die ihr Fahrzeug auf dem letzten Parkplatz, etwa 1 km vom Nordkappfelsen entfernt parken, müssen das tun. Dann suchen wir uns auf dem großen geschotterten Parkplatz einen Stellplatz mit guter Aussicht, den wir wollen ja bis zum nächsten Morgen bleiben. Die Wolken sind verschwunden, die Sonne lacht vom makellosen Himmel, kein Nebel ist da, von dem schon so viele Nordkappfahrer erzählt haben. Wir gehen zum Monument, einer stilisierten Weltkugel, und schauen lang tief hinunter auf das blaue Wasser. Ein Kreuzfahrtschiff zieht langsam da unten vorbei. Nur ein älterer Herr genießt mit uns zusammen die Stille und die Weite des Eismeers.

Die bekannte WeltkugelNun ist das Nordkapp nicht nördlichster Punkt Europas, denn der liegt weit draußen auf Spitzbergen. Das Nordkapp ist auch nicht der nördlichste Punkt Festlandeuropas, denn dieser ist das Nordkinn auf nächsten großen Halbinsel weiter östlich. Auch auf Magerøya, der Nordkapphalbinsel, ist das Nordkapp nicht der nördlichste Punkt. Angeblich wurde das Nordkapp im 16. Jahrhundert als nördlichster Punkt angegeben, wobei dieser Angabe ein Vermessungsfehler zugrunde lag. Dennoch glauben fast alle Leute, dass der nördlichste Punkt Europas hier wäre. Von diesem Glauben lebt das Besucherzentrum am Nordkapp: ein riesiger Souvenirladen, in dem offensichtlich 50% Nordkappzuschlag auf die sonst üblichen Preise erhoben wird, ein eigenes Postamt, zwei Restaurants und ein Café, ein kleines Siam-Museum, Dioramen und nur WC-Zellen erwarten die Besuchermassen – und die kommen. Gegen Abend füllt sich der Parkplatz hauptsächlich mit Wohnmobilen und immer mehr Autobusse treffen an. TouristenmassenUm 23 Uhr zählen wir 41 Autobusse und im Besucherzentrum geht es zu wie am Frankfurter Flughafen in der Mittagszeit. Am Felsen draußen beim Monument geht es rund, jeder will sich auf dem Monument stehend fotografieren lassen, laut ist es – wie war das doch zu Mittag? Um Mitternacht gibt es bei den WCs kein Papier und die Restaurants haben nichts mehr zu essen. Die ersten Busse fahren um 0.15 Uhr wieder ab: Mitternachtssonne abgehakt, Abfahrt. Wann die Sonne ihren Tiefststand wirklich erreicht, interessiert nicht. Wichtig ist, dass man das „Nordkapp-Zertifikat“ kauft, einen Vordruck, in den man den Namen einträgt, der gestempelt wird und besagt, dass man zu besagtem Datum hier gewesen sei.

Nordkapp zu Mittag...... und um Mitternacht

Die Sonne blinzelt nur dann und wann aus einer weit draußen liegenden Wolkenbank durch, als wolle sie diesen Trubel nicht mitmachen.

 

Tag 13: Rentiere im Tunnel

Strecke: Nordkapp – Alta – Sørstraumen (360 km)

Rentiere überall!Wieder Sonne am Morgen, dazu eine ganz friedliche Stimmung, der Spuk vom Vorabend ist vorbei! Langsam leert sich auch der Parkplatz mit den Wohnmobilen und auch wir kehren dem „Nördlichsten mit dem Fahrzeug und ohne Fähre erreichbaren Punkt Europas“ den Rücken. Vorbei an Honningsvåg geht es wieder durch den Tunnel und entlang des Porsangerfjords. Da war doch gestern ein Tier, das ich nicht erkennen konnte. Heute halte ich wieder auf dem spiegelglatten Wasser Ausschau. Richtig, da ist wieder etwas: Zwei Seehunde schwimmen hier! Meine Vermutung vom Vortag hat sich bestätigt. Leider kann man hier nirgends halten, um ein Foto zu machen. Dann geht es wieder hinein in den Skarvbergtunel, aber beinahe nicht hinaus. Schon von weitem sieht man das Licht am Ende des Tunnels, das von unzähligen Rentiergeweihen markant strukturiert ist. Eine Rentierherde steht am Tunneleingang und will dort auch nicht weg! Zentimeter für Zentimeter schieben wir uns aus dem Tunnel, nicht ohne von zahlreichen schadenfroh grinsenden Schaulustigen draußen fotografiert zu werden.

Dann geht es wieder auf die E6, südlich von Skaidi zieht das in der Sonne glitzernde Flüsschen Repparfjordelva die Blicke auf sich. Das Gewässer ist fischreich und das zieht offensichtlich auch viele Norweger an, denn viele Hütten verstecken sich mehr oder weniger gekonnt im niedrigen Wald entlang des Flusses. Dann führt die Straße wieder auf einer Hochebene über viele Kilometer schnurgerade dahin, ehe sie zum Altafjord hinabführt. In Alta kaufen wir noch schnell für das Wochenende ein und tanken. Dann geht es den Altafjord und den Langfjord, der mit seinen 25 km Länge seinem Namen alle Ehre macht, entlang, dann über einen Bergrücken hinüber zum Kvænangen, einem weiteren Fjord. Das Wasser glänzt in der Nachmittagssonne, im Hintergrund erahnt man ein paar Gletscher. „Hier wäre ein Campingplatz schön“, meine ich – und gleich darauf weist ein Schild kurz vor der Sørstraumenbrücke nach rechts zum Meer: „Camping, 500 m“. Das sehen wir uns an! Der Platz läge traumhaft auf einer kleinen Halbinsel im Fjord, ist aber noch Baustelle. WC in der SonneNach der Brücke, die den Sørstraumen, den zweitheftigsten Gezeitenstrom, überquert, lockt abermals ein Schild: „Camping, 300 m“. Bremse, Blinker, ein Fuchs am Straßenrand sieht uns an, ein paar Meter Schotterstraße und dann stehen wir auf einem winzigen privaten Campingplatz, dessen Sanitärgebäude mit weit geöffneten Türen zum Verweilen einlädt, als wollte es sagen: „Seht, so sauber bin ich!“ Auf dem Platz gibt es „Selbstbedienung“, das heißt, dass man das Geld für die Übernachtung in ein eigens dafür bereit liegendes Kuvert steckt und in ein Briefkästchen wirft, den Stellplatz sucht man sich selbst und den Stromanschluss ebenfalls. Abends kommt der Besitzer, putzt emsig die ohnehin sehr sauberen WCs und kontrolliert die Bezahlung.

Hier lassen wir uns nieder, direkt am Wasser stehen wir und sehen den deutschen Hobbyfischern zu, wie sie ihren Fang an Land bringen und sich stolz mit den besten Trophäen fotografieren lassen.

 

Tag 14: Sommer in Nordnorwegen

Strecke: Sørstraumen – Skibotn – Øvergard – Elverom – Narvik – Ballangen – Skarstad (462 km)

LyngenfjordAm Morgen ist es noch immer strahlend schön – langsam wird das unheimlich. Uns erwartet einer der schönsten Fjorde Norwegens, der Lyngenfjord.  Dieser Fjord erstreckt sich etwa 80 km von Nord nach Süd. An seiner Ostseite verläuft die Straße, die auch 20 km in den Kåfjord, einen Seitenarm des Lyngenfjords, geht und dann ebenfalls wieder 20 km herausführt. Die Westseite des Lyngenfjords wird von etwa 1600 m hohen Bergen begrenzt, die mit Schnee bedeckt sind. Unzählbare Wasserfälle stürzen direkt ins Meer, bilden Schleier oder Teppiche aus Wasser. Zum vierten Mal sind wir hier und immer war die Szenerie beeindruckend, doch nie so großartig wie bei diesem grandiosen Wetter.

Südlich des Fjords verlassen wir für kurze Zeit die E6, um auf der Alternativroute der Straße 87 wieder in ziemliche Einsamkeit einzutauchen. Tiefe Wälder, wenige Häuser und Siedlungen, zahllose Wasserfälle und markante Bergkuppen begleiten unseren etwa 80 km langen Weg, bis wir wieder die E6 erreichen.

Als wir nördlich von Narvik wieder ans Meer kommen, ist unser Erstaunen groß: Da baden doch sehr viele Menschen im Meer. Sicher, die Temperaturen liegen nicht weit unter der 30°C-Marke und die Badestellen liegen immer in seichten Buchten, aber das haben wir uns von Nordskandinavien dann doch nicht erwartet!

Am Campingplatz südlich von NarvikNarvik wird schnell durchquert, es gibt wenig Verkehr, da alles am Strand zu sein scheint. Der Campingplatz in Narvik liegt direkt an der hier sehr stark befahrenen E6, ebenso der bei Ballangen. Weitere 20 km später weist ein Hinweisschild uns den Weg: „Camping, 15 km“. Weg geht es von der E6 und schon sind wir auf einer einspurigen Straße mit Ausweichen. Der Campingplatz liegt in einer Hüttensiedlung bei einem Restaurant und ist sehr einfach. Vier weitere Wohnwagenbesatzungen teilen mit uns die sauberen sanitären Anlagen und den Blick auf den Ofotfjord und leiden mit uns unter der drückenden Hitze.

 

Tag 15: Der nördlichste Teil des Kystriksveien

Strecke: Skarstad – Fauske – Saltstraumen – Ørnes (346 km)

In der Nacht hat das Wetter umgeschlagen, es regnet ein wenig und es ist deutlich kühler – endlich das „typische“ Skandinavienwetter! Nun geht es zurück zur E6 und zügig zur Fähre, die hier die Unterbrechung der E6 von Skarberg nach Bognes überbrückt. Nur ein paar Minuten warten wir, dann kommt die Fähre und in 20 Minuten sind wir am anderen Ufer, auf dem uns auf der Strecke bis Fauske zahlreiche Bergstrecken mit Kurven und Tunnels erwarten.

SaltstraumenFauske erreichen wir zu Mittag, jetzt biegen wir ab in Richtung Bodø. Während über den Bergen noch dichte Wolken hängen, kämpft sich die Sonne über dem Skjerstadfjord schon wieder durch Dunst und Nebel durch und schon sieht man wieder Kinder im Fjord beim Baden. Etwa 15 km vor Bodø biegen wir nach Süden auf den Kystriksveien Rv17 ab, wo bereits die erste Attraktion nach ein paar Kilometern auf uns wartet: der Saltstraumen. Das ist der angeblich stärkste Gezeitenstrom der Welt. Beim Wechsel zwischen Ebbe und Flut pressen sich die Wassermassen mit großer Geschwindigkeit durch die schmale Meerenge, große Strudel bilden sich. Da es bis dahin noch knapp drei Stunden sind, ist das Schauspiel deutlich moderater, aber dennoch gut zu sehen.

Regentropfen treiben uns wieder zum Wohnmobil, dann geht es nach Süden. Eine schöne Landschaft lässt sich hinter Wolken und Nebel erahnen, zahlreiche Ferienhütten säumen den Weg. Zunächst schützen zahlreiche vorgelagerte Inseln vor den Wetterunbilden, doch als wir dann auf die ungeschützte Küste am Atlantik treffen, wird Hannibal vom Wind recht heftig gebeutelt.

Bei Reipå, etwa 10 km vor Ørnes,  finden wir einen kleinen, aber tadellosen Campingplatz direkt am nachts nahezu nicht befahrenen Kystriksveien.

 

Tag 16: Gletscher, Schiffe und Polarkreis

Strecke: Ørnes – Nesna (180 km)

Der Tag beginnt trübe, aber trocken. Etwas früher als üblich machen wir uns auf, um rechtzeitig in Ørnes bei der Ankunft des nordgehenden Hurtigrutenschiffes zu sein, denn es ist heute die M/S Nordkapp, die wir in Kirkenes ein paar Tage vorher um ein paar Minuten verpasst hatten.

M/S NordkappUngeduldig warten wir am Kai des kleinen Ortes – ob das Schiff wohl pünktlich sein wird? Endlich kommt der bekannte LKW von Nor-Cargo, endlich fährt ein Arbeiter mit dem Gabelstapler hinaus und da taucht auch schon „unser“ Hurtigrutenschiff auf. Wir beobachten nun das uns schon so bekannte Manöver des Anlegens, des Ent- und Beladens, wir entdecken die beiden Webkameras, die uns schon so viele schöne Bilder von Norwegen auf den heimatlichen PC gebracht haben und mit ein wenig Wehmut entlassen wir die M/S Nordkapp wieder auf ihren Weg nach Norden.

SvartisenEin paar Kleinigkeiten werden eingekauft, dann geht es tief hinein in den Glomfjord, ehe uns am Ende ein etwa 7 km langer Tunnel verschluckt. Man fühlt sich wohl wirklich verschluckt, denn der Tunnel ist sehr schlecht beleuchtet und man sieht den nackten Fels, nur selten begegnet uns ein Fahrzeug. Am Ende des Tunnels erwartet uns nicht nur der nächste Fjord, sondern wir werden auch mit zahlreichen Ausblicken auf den Svartisen, den zweitgrößten Gletscher Norwegens, belohnt. Da ein kritischer Reiseführer meint, dass die Bootsfahrt zur Gletscherzunge sich für Leute nicht unbedingt lohnt, die schon auf oder an anderen Gletschern waren, entscheiden wir uns für die Weiterfahrt.

Am PolarkreisNach wenigen Kilometern ist die Straße zu Ende, eine Fähre führt uns hinüber auf die andere Seite des Fjordes. Hat man dann erst übergesetzt, so fährt man nur 23 km an Land, ehe die nächste Fähre auf uns wartet. Diese führt uns in einer Stunde nach Süden und über den Polarkreis, der an Land mit einem Metallglobus – ähnlich dem am Nordkapp – angedeutet ist.  Wieder an Land geht es zum Teil auf der einspurigen Rv17 dahin, die Beifahrer genießen den Blick auf das Meer und die markant geformte Insel Lovund, während der Fahrer sich doch recht auf den Gegenverkehr konzentrieren muss. Abermals wird ein tiefer Fjord umfahren, dann geht es ziemlich hoch hinauf auf das Fjell, ehe man in Nesna wieder an ein Ende der Straße stößt.

Hier in Nesna wollen wir den Tag auf dem Campingplatz mit Blick auf das Meer ausklingen lassen.

 

Tag 17: Fähren, Fähren

Strecke: Nesna – Brønnøysund – Rørvik (243 km)

Heute beginnt unser dritter und letzter Tag auf dem Kystriksveien. Er beginnt gleich mit einer Fährüberfahrt von Nesna nach Levang, auf guter Straße ist bald die große Brücke vor Sandnessjøen erreicht. Während wir unsere Essensvorräte dort wieder aufstocken, klart es auf, die Sonne blinzelt durch die Wolken. Wir beschließen, das ruhige Wetter auszunützen und weiter zu fahren, zumal noch weitere Fährüberfahrten auf dem Programm stehen. Nach und nach zeigt sich auch das Bergmassiv der „Sieben Schwestern“, dann geht es über flache Schären und bei hellem Sonnenschein zum Fährhafen Tjotta.

Fähre im "Schärengarten"Was jetzt folgt, ist die spannendste Fährüberfahrt, die wir jemals erleben durften. Das Schiff fährt zuerst in einer schmalen Fahrrinne zwischen den Schären durch, ehe es an einer kleinen Insel anlegt. Ein Auto und eine Familie gehen von Bord, ehe die Fähre wieder ablegt. Will man hier mitgenommen werden, so muss man sich telefonisch bei der Fähre direkt melden – und nur dann legt sie auch an. Dann geht es weiter und etwa 10 Minuten vor der geplanten Ankunft in Forvika gibt es abermals einen kurzen Stopp auf der Insel gegenüber, wo das Postauto an Bord geht.

Nur 16 km lang ist die Rv17 auf dem nächsten Abschnitt, dann wartet schon die nächste Fähre auf uns. So ist es bereits früh am Nachmittag, als wir Brønnøysund erreichen. Während der Mittagsrast mit Blick auf die Wasserstraße beschließen wir, nicht schon hier einen Campingplatz zu suchen, sondern die Weiterfahrt bis Rørvik in Angriff zu nehmen.

Eine weitere Fährüberfahrt steht als erstes an, dann verlassen wir erstmal die Rv17, den Kystriksveien, und wenden uns über eine Nebenstrecke Richtung Rørvik. Dass uns hier auf nahezu menschenleerer Straße ein Fahrzeug auf unserer Straßenseite entgegenkommt, dessen Fahrer erst im letzten Moment uns registriert, gehört zu den wenigen unerfreulichen Momenten unserer Reise.

M/S Nordnorge in RørvikRecht spät erreichen wir Rørvik und schlagen dort auf dem Campingplatz unser Nachtlager auf. Der Platz liegt direkt an der Wasserstraße, durch die die Hurtigrutenschiffe fahren. Bald schon kommt das südgehende Schiff, etwas später dann das Nordgehende. Ob wir in diesem Urlaub wohl noch einmal Hurtigrutenschiffe sehen werden?

 

Tag 18: Straßen in Norwegen

Strecke: Rørvik – Grong – Trondheim – Orkanger – Leirvik (453 km)

Ein längerer Fahrtag liegt vor uns. Wir wollen heute zumindest Trondheim hinter uns bringen.

So geht es also zunächst nach Osten in Richtung E6. Die letzten Kilometer vor der E6 gestalten sich etwas mühsam, weil das Weidevieh – hier sind es Schafe – die trockene und von der Sonne gewärmte Straße als Ruhe- und Schlafplatz betrachtet und die Fahrzeuge nicht einmal ignoriert. Dann geht es auf der E6 nach Süden, wir passieren Steinkjer und erreichen Levanger, wo wir nicht nur unser Abwasser entsorgen können, sondern auch Mittagsrast halten. Bald geht es dann auf der Autobahn weiter und bald müssen wir auch die Durchfahrtsmaut zahlen, die hier in der Umgebung von Trondheim nicht nur auf der Autobahn, sondern auch im niederrangigen Straßennetz mehrfach kassiert wird. Insgesamt zahlen wir 65 norwegische Kronen, das entspricht etwa 7,60 EUR. Um diesen Preis kann man in Österreich schon 10 Tage auf der Autobahn kreuz und quer fahren! Auch der schöne Blick auf den Trondheimfjord kann einen leichten Groll über diese moderne Art des Raubrittertums nicht ganz vertreiben.

Kurz vor Orkanger ist die letzte Mautstation passiert und dann geht es auf der E 39 nach Westen. Langsam zieht sich die Straße in die Höhe und wir passieren ein Skigebiet. Hier könnte man wohl auf einem der Parkplätze übernachten, doch dafür ist es uns noch zu früh. Dann geht es wieder hinunter zum Vinjefjorden. Hier führt die Straße eng am Ufer entlang und sie ist oft nur einspurig mit Ausweichen, was insofern bemerkenswert ist, als es sich ja um eine Hauptverbindungsstraße in Westnorwegen handelt. Aber da der Verkehr äußerst gering ist, macht diese Einspurigkeit auch keine besonderen Probleme.

Gegen Ende des Fjordes erreichen wir einen Campingplatz. Dieser liegt zwar direkt neben der Straße, was aber angesichts des fehlenden Verkehrs kein Problem zu sein scheint. Eher stört eine andere Tatsache, was sich aber erst viel später erweist: Das kleine Lokal, das hier dem Campingplatz angeschlossen ist, hat auch das Recht Alkohol zu verkaufen, was in Norwegen nicht so üblich ist. So kommen abends Leute aus der Gegend in dieses Dorfwirtshaus und es geht bis Mitternacht ziemlich rund. Noch etwas Besonderes ist zu erwähnen: Erstmals seit langer Zeit wird es nachts für kurze Zeit wieder einigermaßen dunkel.

 

Tag 19: Atlanterhavsveien

Strecke: Leirvik – Kristiansund – Molde – Stranda – Hellesylt (244 km)

Strahlender Sonnenschein begrüßt uns beim Aufstehen, ein prächtiger Tag erwartet uns.

Nach dem Frühstück geht es weiter auf der E39, die bald am Wasser endet und ein Fähre bringt uns hinüber auf die andere Seite des Fjords. Nach etwa 10 km führt uns eine Brücke hinüber auf eine Insel, der nächste Meeresarm wird dann in einem mautpflichtigen Tunnel unterquert. Noch ein paar Kilometer und dann sind wir in Kristiansund, einer wichtigen Industriestadt in Westnorwegen.

AtlantahavsveienVom Zentrum aus führt uns dann die Fähre auf die Insel Averøya und von da aus geht es auf den Atlanterhavsveien. Das ist eine Straße die Averøya wiederum mit dem Festland verbindet, sie führt über zahlreiche Inselchen und kühn geschwungene Brücken und bietet eindrucksvolle Ausblicke auf den Atlantik. 1993 waren wir erstmals hier, ein Besuch 1999 fiel dem Schlechtwetter zum Opfer. 1993 peitschten die Wellen an die Brückenpfeiler, diesmal liegt der Atlantik ruhig und nahezu spiegelglatt vor uns.  Wir bleiben an einem der Rastplätze stehen, erklimmen das Hügelchen neben dem Parkplatz und genießen Aussicht und Wärme.

Allzu bald liegt dieser wunderschöne Abschnitt hinter uns und es geht Richtung Molde. Da das Wetter so schön ist, wollen wir auch die weitere Strecke bis Hellesylt noch heute in Angriff nehmen. Wer weiß schon, wie es morgen sein wird?

Von Molde über den Fjord nach SüdenMolde ist bald erreicht und da wir schon vor ein paar Jahren die tolle Aussicht vom Varden, dem Hausberg der Stadt genießen durften, geht es gleich zur Fähre, die schon auf uns wartet. Die Überfahrt über den hier etwa 10 km breiten Fjord nach Vestnes ist herrlich. Wir sitzen an Deck, lassen in der warmen Sonne uns den Wind um die Ohren wehen und weiden uns am Anblick der teils mit Schnee bedeckten Berge. So schönes Wetter hatten wir noch nie in Norwegen.

20 km geht es dann durch ein breites Tal, das von hohen Bergen eingefasst ist bis zum Storfjord und dann diesen etwa 30 km entlang. Dann bringt uns die Fähre über den Fjord hinüber nach Stranda und von hier sind es dann nur noch 30 km bis Hellesylt.

Wasserfall in HellesyltDer kleine Ort Hellesylt liegt am Eingang zum Geirangerfjord. Außer einem Fischverarbeitungsbetrieb gibt es hier ein paar Häuser, ein Hotel, ein paar Restaurants, ein kleines Museum, zwei Campingplätze und eine Fährverbindung nach Geiranger. Außerdem legen hier im Sommer oft Kreuzfahrtschiffe an. Die Passagiere gehen an Land und werden mit Autobussen über Land nach Geiranger gebracht, wo dann ihr Schiff schon wieder wartet.

Wir waren hier im Jahr 1993 und hatten den Campingplatz, der direkt am Fjord liegt entdeckt. Er bestand damals aus einer großen Wiese, auf der außen am Rand die Campingfahrzeuge und Zelte standen und einem kleinen Sanitärgebäude, das damals durchaus ausreichend war. 1999 kamen wir wieder und fühlten uns wohl. Diesmal zogen wir also in Erwägung zwei Nächte zu bleiben und eine Fahrt mit der Fähre durch den Geirangerfjord zu machen.

Diesmal sind wir enttäuscht – auch hier hat die Tourismusindustrie Einzug gehalten. Der Platz ist voll, von freier Wiese kann keine Rede sein. Wir ergattern zwar noch einen Platz ganz vorne, doch auch am Wasser kann man nicht mehr stehen, denn da wurde ein etwa 1 m hoher Wall aufgeschüttet, auf dem nur Zelte stehen können. Das wäre nicht schlimm, schlimm ist allerdings, dass das Platzgelände um ein gutes Stück erweitert wurde, ohne dass man die Sanitäreinrichtungen dem Umstand angepasst hätte. Auf dem zusätzlichen Platzteil stehen nun Dauercamper, auch ein guter Teil des „alten“ Platzes ist von Dauercampern belegt. Alles in allem fühlen wir uns nicht mehr besonders wohl und beschließen, dass wir nur eine Nacht bleiben wollen. Die Fähre soll uns am nächsten Morgen mit Hannibal hinüber nach Geiranger bringen.

Abends machen wir noch einen Spaziergang in den Ort zum großen Wasserfall, der sich hier ins Meer ergießt und entdecken die Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobile an der Tankstelle. (Diese Ver- und Entsorgungsstation war auch für den Campingplatz schon 1993 versprochen worden, findet sich aber noch immer nicht dort. Das passt leider in das Gesamtbild des Platzes.) Die letzte Fähre liegt am Anleger, einige arbeitende Leute befinden sich noch an Bord. Sonst wirkt der Ort fast wie ausgestorben, wären da nicht noch ein paar Jugendliche, die sich in der Nähe des Fähranlegers herumtreiben.

 

Tag 20: Geirangerfjord

Strecke: Hellesylt – Geiranger – Lom – Otta – Dombås – Tynset (340 km)

Der Morgen begrüßt uns wieder mit blitzblauem Himmel, die Sonne steht noch etwas hinter den Bergen. Dafür liegen drei Kreuzfahrtschiffe draußen auf dem Wasser und die Passagiere werden mit kleinen Booten an Land gebracht. Der entsprechende Anleger befindet sich direkt beim Campingplatz und 3 m vor unserem Wohnmobil ziehen nun nicht enden wollende Karawanen von Touristen zu unzähligen Autobussen, die schon vor dem Campingplatz warten. Viele der Touristen zweigen noch vor dem Einsteigen zu den Campingplatztoiletten ab und die Campingplatz-„Bewohner“ haben das Nachsehen. Dann werden sie Bus für Bus abgekarrt, zuerst zum Wasserfall von unten, dann von oben und dann weiter ins Hinterland. Wieder einmal sind wir glücklich, nicht so sehr mit den Massen schwimmen zu müssen.

Einfahrt in den GeirangerfjordWir versuchen eine frühe Fähre zu erreichen, da uns am Vorabend Deutsche erzählt haben, dass am Vortag am Vormittag nicht alle mit der Fähre mitgekommen seien. Dies gelingt uns auch, allerdings fahren auch hier schon viele Autobusladungen von Touristen mit. Wir ergattern einen schönen Stehplatz an Deck und lassen uns in sechs Sprachen – Norwegisch, Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Französisch – die Sensationen auf der Strecke nach Geiranger erklären: ehemals bewohnte Bauernhöfe, Wasserfälle, um die sich Märchen ranken und die entsprechende Namen tragen (Die Sieben SchwesternDie Sieben Schwestern, Der Freier) und Berggipfel. Die Fähre nimmt auch nicht die ganz direkte Route durch den engen Fjord, sondern sie fährt einmal mehr am linken, dann wieder am rechten Ufer, damit man alles ganz genau sehen kann. Nach einer guten Stunde taucht der Ort Geiranger und damit das Ankunft in GeirangerEnde dieser schönen Überfahrt auf. Hier in Geiranger warten auch schon zwei der Kreuzfahrtschiffe, die wir in Hellesylt morgens gesehen haben und ein zarter Rauchschleier, der von ihnen ausgeht, trübt den ansonsten idyllischen Anblick.

Als Hürde gestalten sich die ersten 100 m in Geiranger: Touristen laufen kopflos über die Straße, rechts und links ist alles verparkt, Busse stehen in zweiter Spur und niemand macht Anstalten ein wenig zur Seite zu fahren. Doch irgendwie kommen wir dennoch hier hinaus und dann geht es in Spitzkehren hinauf auf mehr als 1000 m Seehöhe. Während sich die Beifahrer auch am atemberaubenden Ausblick erfreuen können, ist der Fahrer ziemlich auf die Straße konzentriert.

Hoch über GeirangerOben auf der Passhöhe tut sich eine karge und schroffe Hochgebirgslandschaft auf, einige kleine Seen mit Schmelzwasser locken, karge Blütenpflanzen ducken sich im Schutz von Steinen. Hier bleiben wir ein wenig stehen und genießen die Natur, werfen einander Schneebälle zu, die wir aus dem schmutzigen Schnee gepresst haben und schießen viele Fotos.

Von nun an geht es sachte aber stetig bergab. Wir möchten irgendwo Mittagsrast halten und es gäbe auch unzählige Möglichkeiten dazu, aber wir haben kein Brot mehr an Bord und es findet sich kein Ort, in dem man Brot kaufen könnte. Irgendwo gibt es dann das Brot in einem „Supermarkt“, von der Angelschnur bis zur Milch, vom Mittel gegen Insekten bis zum Brot, von fürchterlichen Souvenirs bis zu Erdbeeren gibt es alles in diesem Kuriositätenladen. Doch dann haben wir wieder Mühe, einen geeigneten Rastplatz zu finden.

In Lom mit seiner Stabskirche ist wieder der Bär los, Autobusse und Scharen von Touristen verraten auch dem Uneingeweihten, dass es hier eine Sehenswürdigkeit gibt. Nichts gegen Lom, nichts gegen Stabskirchen – wir haben schon einige gesehen und das unter viel angenehmeren Rahmenbedingungen. So bleiben wir hier nur an der roten Ampel stehen.

Den Rastplatz gibt es dann am Vågåvatnet: Neben einem Campingplatz gibt es einen großen Parkplatz mit Tischen und Bänken und da es auch recht warm geworden ist, sieht man auch Leute beim Baden.

Etwa 50 km trennen uns noch von der E6 bei Otta, wo uns wieder Touristenrummel erwartet. Hier biegen wir nach Norden ab, wo es durch das Tal noch bis Dombås geht.  Dann windet sich die E6 hinauf auf das Dovrefjell, einer Hochebene, die mir immer wieder mit ihrer Weite und relativen Unberührtheit imponiert.

Campingplatz an der GlåmaBei Hjerkinn biegen wir auf die Rv29 nach Osten und verlassen so den Touristentrampelpfad. Die nächsten 70 km verlaufen durch relativ einsames Gebiet, nur ein kleiner Ort liegt am Weg, ansonsten beeindruckt wieder die Natur. Dann erreichen wir das Tal des Flüsschens Glåma, das wir vor einigen Jahren bereits von Nord nach Süd durchfahren haben. Hier geht es nach Tynset, wo uns der Campingplatz wegen seiner nicht so attraktiven Lage gar nicht gefällt und wir uns daher weiter auf den Weg in Richtung Røros machen.

Etwa 10 km nördlich von Tynset liegt ein Campingplatz an der Straße, die selbst jetzt um 18 Uhr kaum befahren ist. So wagen wir es hier unser Nachtlager direkt am glucksenden Fluss aufzuschlagen. Lang steht noch die Sonne am Himmel und wider Erwarten werden nicht einmal die Gelsen lästig. So genießen wir den Blick auf die von der Abendsonne beschienenen Berge und die im Fluss stehenden Fischer.

 

Tag 21: 1. Schwedisches drrc-Treffen

Strecke: Tynset – Rorøs – Åsarna – Galåbodarna – Åsarna (368 km)

Den Abstecher nach Schweden machen wir, weil wir hier Christoph Schenk treffen wollen, den wir von Treffen der Newsgroup de.rec.reisen.camping (drrc) kennen und der sich in der Nähe von Åsarna einige Miethütten baut, um dann später hier auch zu leben. Außerdem sind auch Karin und Michael – beide ebenfalls von diesen Treffen uns bestens bekannt – hier auf einem Campingplatz, da Michael Christoph beim Bau hilft und Karin noch ein paar Tage Urlaub hier verbringt.

Für uns geht es zunächst bis Røros, wo wir unsrer letzten norwegischen Münzen beim Einkauf loswerden. Dann geht es sachte hinauf zur norwegisch-schwedischen Grenze. Fast allein sind wir auf der Straße, die Landschaft mit ihren unzähligen kleinen und größeren Seen fasziniert wiederum im Sonnenlicht.  Dann sagen wir Norwegen „Auf Wiedersehen!“ Erstmals haben wir das Land nicht frühzeitig verlassen, weil wir nicht wussten, was wir zum Essen einkaufen sollten, erstmals haben wir uns ohne jede Einschränkung wohl gefühlt. Dass wir wieder einmal kommen wollen, ist wohl sicher.

Hier gibt es bald gemütliche HüttenEine kurze Mittagsrast folgt, dann geht es weiter über die Skistation Hede und über die Orte Hedeviken und Klovsjö nach Åsarna. Hier wird noch getankt, denn Christophs Anwesen liegt 50 km abseits von jeder Versorgung. 40 km geht es von Åsarna auf asphaltierter Straße bis Börtnan, dann 10 km auf einer Schotterstraße bis Galåbodarna. Zu unserem großen Erstaunen begegnen uns hier Fahrzeuge, sogar ein holländisches Gespann ist dabei. Nach ein paar Almhütten liegt links Christophs Grund. Nach der freudigen Begrüßung sprühen wir uns schnell mit einem Insektenmittel ein, denn hier warten die gierigen Sauger schon auf Frischblut. Dann zeigt uns Christoph voll Stolz und Freude seine Baustelle mitten im Wald. Drei Miethütten, das eigene Wohnhaus und ein Stellplatz für Campingfahrzeuge sollen hier entstehen. Einstweilen sieht man aber nur unzählige Gräben für Kanal, Wasserleitung und Strom.

Elch voraus!Da Christoph Besuch aus Schweden hat, wollen wir nicht länger stören und fahren auf den Campingplatz in der Nähe, auf dem Karin und Michael sind. „In der Nähe“ heißt hier, dass sich der Platz in nur etwa 50 km Entfernung befindet. Also geht es wieder zurück bis Åsarna, dann nach Kvarnsjö und auf einer kleinen Asphaltstraße zum Campingplatz. Unweit des Platzes gibt es einen erfreulichen Stopp: Ein Elch präsentiert sich in all seiner Größe auf der Straße, wartet, bis wir ihn in aller Ruhe fotografiert haben, ehe er im Wald verschwindet.

Karin und Michael wissen bereits von unserem Erscheinen, meinen aber, dass es noch nicht an diesem Tag sein werde. So ist doch ein gewisses Maß an Überraschung da, die sich zur Wiedersehensfreude auf beiden Seiten gesellt.

Michael, Uli, Karin und unser Vater in der KåtaNach dem Abendessen entzünden wir in der Kåta, dem samischen Zelt, das auf dem Campingplatz steht, ein Feuer. Karin versucht das ungenießbare schwedische Brot durch Rösten im Feuer genießbar zu machen, was zwar Spaß macht, aber die Qualität nicht wirklich hebt. Ein paar andere deutsche Camper gesellen sich auch noch zu uns, aber die drrc-Gruppe hält am längsten durch – schließlich haben wir einander schon so lange nicht gesehen und einander so viel zu erzählen. Als wir weit nach Mitternacht die Kåta verlassen, entdecke ich erstmals wieder Sterne am Himmel: Leier, Schwan, Cassiopeia und Großer Wagen sind erkennbar. So schön die Mitternachtssonne ist, ein Sternenhimmel ist auch nicht zu verachten.

 

Tag 22: 27 Jahre später

Strecke: Åsarna – Sveg – Mora – Karlskoga (452 km)

Am Morgen genießen wir das von der Besitzerin des Campingplatzes selbst gebackene Gebäck, ehe wir uns von Karin und Michael verabschieden. Obwohl der Campingplatz sehr schön und in herrlicher Aussichtslage ist, so wollen wir doch wieder in Richtung Heimat ziehen. Wir wollen über den uns schon bekannten Innlandsvägen Richtung Süden ziehen und dann südwestlich von Mora in Richtung Karlskoga abbiegen.

In Sveg kaufen wir ein, obwohl es Sonntag ist, aber in Schweden sind die Supermärkte auch sonntags geöffnet. Dann umfängt uns der dichte Wald der Orsa Finnmark, ehe wir an das dichter besiedelte Gebiet des Siljan gelangen. Recht einsam geht es dann durch die Wälder entlang der Straße 64. Unser Ziel ist der Campingplatz Lunedet ein paar Kilometer nördlich von Karlskoga.

Vor 27 Jahren haben wir diesen Campingplatz entdeckt. Wir waren damals zum ersten Mal mit dem von unserer Tante Reli ausgeborgten Hauszelt in Skandinavien. Eigentlich wollten wir in Karlskoga ein Privatzimmer organisieren, weil das Wetter nicht gut war und gingen zur Touristeninformation. Privatzimmer bekamen wir keines, wurden aber auf den Gemeindecampingplatz Lunedet verwiesen. Dieser bestand aus einer großen Wiese, auf der drei oder vier Zelte standen, und einem ganz neuen und beheizten Sanitärgebäude. Außerdem wurde damals keine Gebühr eingehoben. Wir blieben dann dort länger als geplant, weil es uns so gut gefiel und besuchten eine Ausstellung über Alfred Nobel, der in diesem Ort lebte und arbeitete.

Und wie sieht es heute dort aus? Ein Freizeitzentrum ist entstanden, Autobusse laden ihre Fracht aus, man wartet lang bei der Kassa eines Selbstbedienungsrestaurants, um sich auf dem Campingplatz anzumelden, unzählige Wohnwägen – auch von Dauercampern – stehen auf der so einsamen Wiese und das Sanitärgebäude hat seit 1977 keine frische Farbe gesehen. An eine Alternative ist an diesem Tag nicht mehr zu denken, da es schon viel zu spät ist, aber wir sind recht enttäuscht darüber, was aus unserem Fleckchen von einst geworden ist. Wieder hat die Tourismusindustrie zugeschlagen.

Camping Lunedet bei Karlskoga einst...... und jetzt

Tag 23: Wieder Wald

Strecke: Karlskoga – Laxå – Askersund – Jönköping – Åstorp – Höganäs – Mölle (482 km)

Für unsere Weiterfahrt wählen wir heute die Strecke von Karlskoga zum Vättern, an dessen Westufer wir auf einer uns noch nicht bekannten Strecke bis Jönköping fahren wollen. Wieder begleitet uns viel Wald auf der recht wenig befahrenen Strecke, vom Vättern sehen wir leider recht wenig. Die Aussicht auf der Hinfahrt vom erhöhten Ostufer aus war da schon viel besser.

Von Jönköping aus geht es nun auf der uns schon bekannten E4 nach Süden, wieder gibt es zunächst viel Wald, ehe wir gegen Abend in das fruchtbare Gebiet um Helsingborg kommen. Wir erreichen die Küste etwas nördlich der Stadt, wo wir bei Mölle auf dem recht schönen Campingplatz unser Nachtlager aufschlagen.

 

Tag 24: Die letzten Fähren

Mölle – Helsingborg – Helsingør – Rødby – Puttgarden – Heiligenhafen – Weißenhäuser Strand (304 km)

Wechselhaftes Wetter am Morgen, da verlassen wir doch Skandinavien, wir sind Besseres gewohnt!

So geht es nach dem Frühstück zur Fähre nach Helsingborg. Ein paar Minuten müssen wir nach dem Ticketkauf warten, dann werden wir schon auf die Fähre geholt und hinüber geht es nach Dänemark. Ganz feiner Nieselregen begleitet uns auf der kurzen Überfahrt.

Dann geht es vorbei am dicht besiedelten Gebiet von Kopenhagen.

Wir kommen sehr gut weiter. Unter der Autobahnbrücke, die die Inseln Seeland und Falster verbindet, halten wir Mittagsrast. Hier dürfte man sogar übernachten, allerdings wäre uns das viel zu laut.

Die Fähre in Rødby ist dann auch schon bereit, um uns nach Deutschland zu bringen. Bei herrlichem Sonnenschein und relativ hoher Temperatur genießen wir die letzte unserer vielen Fährüberfahrten dieses Urlaubs. In Puttgarden angekommen überlegen wir gleich einmal, was wir heute noch tun wollen. Es ist zwar nicht spät, aber doch zu spät, um in Deutschland noch eine größere Strecke zurückzulegen. Außerdem ist es ziemlich heiß und daher an der luftigen Küste sicher angenehmer als irgendwo im Landesinneren.

Unsere erste Wahl fällt auf den Wohnmobilhafen in Heiligenhafen. Hier starten wir aber lieber durch, denn er ist ganz voll, nur vorne an der Straße gibt es noch Stellplätze. Sind es 100 Wohnmobile oder mehr, die hier stehen? Uns können sie aber sicher leicht vermissen.

Abschied von der OstseeDie zweite Wahl fällt auf den Stellplatz in Weißenhäuser Strand westlich von Oldenburg. Auf dem Parkplatz stehen hier auch etwa 30 Wohnmobile, aber nicht so dicht und in so unangenehm lauter Lage wie in Heiligenhafen.

Für das Parken wird in der Zeit von 6 bis 22 Uhr eine Gebühr erhoben, für Wohnmobile gibt es eine 24-Stunden-Pauschale. Als ich den Parkautomaten entsprechend füttern will, verweigert er mir die Annahme der Gesamtsumme, sondern will mir nur ein Ticket bis 22 Uhr ausstellen. Auch Roland kann das Gerät nicht zur Herausgabe eines 24-Stunden-Tickets überreden. Schließlich wenden wir uns vertrauensvoll an einen anderen Wohnmobilisten mit der Frage, was da zu tun sei. „Na, da lösen sie das Ticket bis 22 Uhr und holen sich dann morgen ein neues.“, ist die freundliche Antwort. „Um sechs Uhr?“, frage ich ungläubig nach. „Um sechs Uhr wird es noch nicht nötig sein, aber dann schon bald, denn es wird auch kontrolliert. Außerdem kommt ja um 7.30 Uhr der Bäcker.“ Hurra, wir sind wieder in Mitteleuropa! Hier weckt – wie bei uns in Österreich auch – nicht der Hahn die Menschen auf, sondern die Menschen den Hahn. Im Norden waren wir, wenn wir uns um etwa 10 Uhr morgens auf den Weg machten, oft bei den ersten und fanden leere Straßen vor.

Dann verabschieden wir uns vom Meer, das hier hinter der Düne brandet und verbringen eine ruhige Nacht.

 

Tag 25: Hitze

Strecke: Weißenhäuser Strand – Lübeck – Ratzeburg – Uelzen – Wolfsburg – Braunschweig – St. Andreasberg (397 km)

Nun, was soll’s – um etwa 6.45 Uhr löse ich das Parkticket und beobachte, dass schon viele Leute unterwegs sind. Um 7.30 Uhr kommt, wie am Vortag versprochen, der Bäcker. Endlich gibt es wieder sehr schmackhaftes Brot und Gebäck.

Nach dem Einkauf in Oldenburg geht es über Lübeck etwas zäh nach Ratzeburg, bei Lauenburg queren wir die Elbe. Nach der Mittagsrast auf einem schattigen Parkplatz, der wegen der nun schon recht großen Hitze sehr willkommen ist, geht es über Lüneburg und Uelzen nach Gifhorn und von da nach Wolfsburg. Roland interessiert sich für die „Autostadt“. Für diese ist es heute aber schon zu spät und wohl auch zu heiß, womit wir ein Ziel für einen weiteren Urlaub in der kühleren Jahreszeit, z.B. zu Ostern, haben.

Wo werden wir übernachten? Es ist stinkheiß, im Gebirge ist es sicher kühler. Der schon recht nahe Harz bietet sich da als Ziel an, das Städtchen St. Andreasberg soll einen schönen Wohnmobilstellplatz haben. Also auf nach St. Andreasberg! Höher und höher klettern wir und das Außenthermometer zeigt immer niedrigere Temperaturen an.

Der Stellplatz in St. Andreasberg liegt direkt am Schwimmbad. Mit dem Parkticket erhält man auch einen Code, mit dem man die Sanitäranlagen öffnen kann. Sogar die Dusche für zwei Personen oder der Eintritt für eine Person wären hier inkludiert. Das WC nützen wir gerne, alles andere verwenden wir lieber in unserem Hannibal. Die Gaststätte lockt mit einem Grillabend und der Genuss der guten Mahlzeit wird allenfalls durch die Tatsache getrübt, dass die Wespen sehr aggressiv sind und uns, nachdem eine unseren Vater ins Ohr gestochen hat, ins Innere der Gaststätte vertreiben.

Der Tag klingt aus mit einem friedvollen Blick über die Berge des Harz.

 

Tag 26: Über den Harz

Strecke: St. Andreasberg – Halle – Merseburg – Fichtelsee (336 km)

Letzte Nacht am FichtelseeNachdem wir uns in der Früh noch im Ort umgesehen haben – es gibt hier ein Schaubergwerk, das allerdings erst später am Tag geöffnet wird – fahren wir den Harz entlang über die Bundesstraße 242, vorbei an Harzgerode und Eisleben, nach Halle und dann über Merseburg und Leuna auf die Autobahn A9. Nun geh es nach Süden. Gegen Abend erreichen wir den Campingplatz Fichtelsee im Fichtelgebirge, den wir schon von Ostern her kennen. Zu Ostern war er einer der wenigen offenen Plätze, jetzt ist die Höhenlage der Grund für unsere Übernachtung hier auf diesem Platz.

 

Tag 27: Nach Hause

Strecke: Fichtelsee – Regensburg – Passau – Graz (524 km)

Was gibt es über diese Strecke zu sagen? Sie ist uns so bekannt, dass sie Hannibal fast schon ohne unser Zutun fährt.

Gegen Abend erreichen wir Graz und auch diese wunderschöne Urlaubsfahrt findet nach vier Wochen und 10 300 km ein Ende.

 

Fazit

Was uns gefallen hat:

 

-          die tolle Landschaft und das herrliche Wetter

-          die geringe Zahl von Touristen, vor allem ganz im Norden

-          die Sauberkeit der oft auch sehr einfachen Sanitäranlagen auf Campingplätzen

-          das verbesserte Warenangebot in norwegischen Supermärkten

 

Was uns weniger gefallen hat:

 

-          die enormen Treibstoffpreise (etwa die Hälfte unseres Urlaubsbudgets haben wir für Treibstoff ausgeben müssen)

-          die Tunnelmaut nach Honningsvåg, die nach Fahrzeuglänge und Personenzahl berechnet wird

-          die Stadtmaut in Trondheim

 

 

Und irgendwann fahren wir sicher wieder dorthin…

 

 

Stand: 30.04.06