Homepage der Familie Messerschmidt - Reiseberichte - Sizilien

 

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Ostern 2003 - Sizilien

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Freitag, 11.4.2003

Mit fliegenden Fahnen komme ich nach dem Unterricht nach Hause. Alles ist schon gerichtet, Hannibal wurde von Roland vormittags fertig befüllt, eingekauft haben wir schon am Vortag. Nach einem schnellen Mittagessen fahren wir um 14 Uhr weg.

Relativ viel Verkehr ist, haben doch gerade die Osterferien begonnen. Aber der ÖAMTC, dessen Webseite ich noch besucht habe, meinte, dass der Verkehr am Samstag dichter sein werde. Dann und wann regnet es, mal stärker, mal schwächer – und auf der Pack gibt es sogar Schneefall. Doch die Straße ist salznass und somit gibt es weiter keine Probleme. Auf der Kärntner Seite der Pack ist die Straße dann trocken und zeitweise kommt sogar die Sonne.

In Villach wird noch einmal (relativ billig) getankt, dann geht es zur Grenze, In Tarvis gibt es sogar eine geschlossene Schneedecke!

Nach etwa 5 Stunden ist Mestre erreicht (nachdem wir EUR 10,40 für die Klasse B an der Maut bezahlt haben), nach  einer weiteren Viertelstunde stehen wir auf dem uns schon bekannten Campingplatz in Fusina. Am Wasser gibt es nur mehr wenige Stellplätze, wir bleiben auf einem Platz stehen, auf dem aber einiger Sand vor dem Ausstieg wäre. Da wir höchst ungern den ganzen Dreck in das Wohnmobil tragen wollen, wählen wir den Platz daneben, wo wir vor dem Einstieg dickes Gras haben.

Venedig ist im Dunst über der Lagune zu erkennen, ebenfalls die Zufahrtsstraße zur Stadt, Und kaum stehen wir, fahren auch schon die ersten Hochseeschiffe vor dem Platz vorbei...

Beim Abendessen sitzend, hören wir auch schon die ersten Tropfen auf das Dach unseres Wohnmobils fallen. Der Wetterbericht auf http://www.wetteronline.de hatte also leider doch Recht!

 

 

Samstag, 12.4.2003

Die ganze Nacht hat es mehr oder minder stark geregnet und der Wind aus dem Süden ist auch relativ stark. Wir loben unsere Stellplatzwahl von gestern – auf dem anderen Platz wäre das Aussteigen nicht mehr möglich gewesen, denn ein großer Schlammsee hat sich gebildet! Gemütlich wird gefrühstückt, das Ver- und Entsorgen ist bei dem Wetter weniger gemütlich. Aber wie immer sind wir um 10 Uhr unterwegs, zuerst bei starkem Regen. Wir fahren die Lagune entlang bis nach Ravenna und weiter auf der Straße nach Rimini, dann auf der Autobahn Richtung Süden. Zeitweilig schüttet es, dann sieht man wieder blaue Flecken am Himmel, dann gibt es wieder Gewitter mit leichtem Hagel, letztlich lacht sogar die Sonne und über der Adria gibt es einen herrlichen dreifachen Regenbogen! Südlich von Termoli verlassen wir die Autobahn in Richtung Gargano, um dort auf dem einzigen zu dieser Jahreszeit geöffneten Campingplatz (Centro Turistico San Nicola bei Peschici) die Nacht zu verbringen. Eine elendigliche Kurverei im letzten Stück – zeitweilig wieder bei Regen – bringt uns zum schon bekannten Platz, wo wir einen Stellplatz direkt am Strand bekommen. Das Tosen des Meers wird uns in den Schlaf begleiten, wenn nicht der Gewitterregen wieder lauter sein sollte!

 

Sonntag, 13.4.2003

Es hat nachts nicht mehr geregnet, vielmehr gab es einen herrlichen Sternenhimmel und morgens lacht auch die Sonne, wenn auch nicht vom makellosen Himmel. Zunächst wollen wir ein wenig durch die Umbra Foresta fahren, entscheiden uns dann aber dennoch für die Küstenstraße, da über dem Berg noch tiefe Wolken und Nebel hängen. Kurz vor Vieste werden wir aber doch – ungewollt – wieder ins Landesinnere geleitet, da wir der Beschilderung „Manfredonia“ folgen. Die Straße ist wider Erwarten nicht so schlecht, zwar etwas kurvig, dafür ohne enge Ortsdurchfahrten und wenig befahren. Kurve um Kurve geht es bergauf, Schaf- und Ziegenherden säumen die Straße bis uns fünf Schweinefamilien den Weg verstellen. Ziemlich hoch geht es hinauf und schließlich wird man mit einem herrlichen Blick auf das Meer belohnt. Getrübt wird der herrliche Eindruck nur leider nicht nur durch eine riesige Mülldeponie sondern auch durch viel Unrat, er immer wieder die Straße säumt.

Von Manfredonia aus geht es entlang der Küste Richtung Bari. Die Hoffnung auf ein nettes Plätzchen zum Mittagessen wird leider bald fahren gelassen: Die wenigen Plätze im Bereich der Saline sind völlig mit Müll verräumt, ungebrauchter Hausrat aller Art wird einfach „vergessen“. Auch auf der Schnellstraße Richtung Bari, die wir statt der gebührenpflichtigen Autobahn benutzen, gibt es keine Parkplätze. Endlich, ein Stückchen nach Bari ist ein Parkplatz ausgeschildert, der sich aber auch als Müllkippe erweist. Einzig die herrlich blühende Natur vermag diesen „mülligen“ Eindruck etwas zu mildern. Nach einem kurzen Halt geht es nun weiter bis Fasano, dann durch das Land der Trulli nach Taranto. Die Trulli sind eigenartige kleine Rundbauten, manchmal einzeln stehend, manchmal in Gruppen zu einem größeren Haus vereint. Sie erinnern mich an überdimensionale Gartenzwerge, die gerade aus der Mehlkammer gekommen sind. Und offensichtlich hat jeder einen Trullo...

Kurz nach Taranto beginnen wir mit der Campingplatzsuche. Der erste Platz in Metaponto wird zwar gefunden, die Einfahrt ist aber viel zu eng und zu nieder für uns – und selbst wenn wir hineinkämen, hätten wir dann drinnen keinen Platz. Nun, so werden wir uns also selbst einen Übernachtungsplatz suchen. Das erweist sich als unmögliches Unterfangen: An der Steilküste verläuft neben der Bahnlinie die viel befahrene Straße, in der Bucht bei Sibari gäbe es zwar ruhig gelegene Plätze, was ich aber leider erst am nächsten Tag entdecken soll. Auf der Suche nach einem freien Stellplatz gelangen wir an einen Campingplatz, der noch nicht geöffnet ist, wo man uns aber informiert, dass der Platz in Marina  di Rossano offen hätte. Da alle anderen Stellmöglichkeiten entweder in Ortsgebieten oder in hässlichen Umgebungen wären, fahren wir nun zu besagtem Platz. Fahren – nun zuletzt ist es ein im Schritttempo dahintasten, denn die Straße ist verdammt eng und Äste hängen tief herein, zudem ist es bereits dunkel. Ein Fahrzeug fährt hinter uns – wie es sich letztlich herausstellt, gehört der Herr zum Campingplatz, der eigentlich auch noch nicht geöffnet hat. Aber er bittet uns einzufahren, weist uns eine Parkmöglichkeit zu, bietet Strom an und zu guter Letzt zeigt er uns auch noch WC und Dusche. Paradiesisch friedlich ist es und wir genießen die Nachtruhe hier.

 

Montag, 14.4.2003

Morgens tauchen eine Menge Leute auf und eine Putzbrigade macht sich über die Reinigung des Platzes her – offensichtlich soll in ein paar Tagen geöffnet werden. Nach der Bezahlung von EUR 10 machen wir uns auf den Weg, zuerst durch die bekannte „hohle Gasse“, dann weiter auf der SS 106 in Richtung Reggio Calabria. Die Küste ist zum Teil herrlich, auch das Wetter ist es. Aber abermals drängen sich Straße, Bahn und Ortschaften an der Steilküste und einen ruhigen Urlaub würde man hier wohl vergeblich suchen. Nicht nur einmal wird selbst ein schmales Wiesenstück von etwa 10 m Breite noch als Campingplatz genutzt!

Hier ist es gar nicht so einfach, einen Parkplatz für die Mittagsrast zu finden. Einmal kurz bei Monasterace quert die Straße die Bahn und geht so in Meernähe und da gibt es dann auch im Ort eine Strandpromenade, an der wir parken. Zunächst warten wir noch, ob die PKW an uns vorbei können, dann sind wir beruhigt, als dies auch ein Klein-LKW schafft. Was Größeres fährt hier sicher nicht – bis wir den Atem anhalten, als ein Autobus zentimeterweise an uns vorbeirollt. Das ist Italien, alles ist möglich!

Am späteren Nachmittag erreichen wir Reggio Calabria. Nachdem es auf der Festlandseite keinen brauchbaren Camping- oder Stellplatz gibt, wollen wir gleich hinüber nach Sizilien, wo die Auswahl viel größer ist. Die Überfahrt mit der FS kostet für uns inklusive Rückfahrt EUR 33, die Fähre ist auch gleich da, sie ist nicht einmal halb voll und nun geht es hinüber zum Ätna.

Messina erwartet uns mit irrwitzigem Verkehr. Worte können das nicht beschreiben. In jede freie Lücke wird gefahren, wer das nicht macht, hat verloren und verhungert. An der Kreuzung warten fünf Fahrzeuge in der Pole position, um dann als erstes in eine einspurige Straße zu kommen. Warum es keine Unfälle gibt, bleibt uns ein ewiges Rätsel.

Auf der Autobahn erreichen wir Giardini Naxos, etwas weiter südlich finden wir einen Campingplatz mit Zitronen-, Orangen- und Gummibäumen.

 

Dienstag, 15.4.2003

Mild ist es morgens und abermals scheint die Sonne – und der Ätna zeigt sich als rauchender Vulkan. An die Bilder vom Fujiama erinnert er mich: Bis zu Hälfte ist er verschneit, dazwischen liegen apere Streifen. Wir wollen von Linguaglossa hinauf auf etwa 1400 m Höhe und dann entland des Osthanges über Zafferana Etnea nach Catania. Doch kurz vor der höchsten Stelle steht ein Fahrverbotsschild, das von jedermann ignoriert wird – also fahren auch wir weiter. Bald danach jedoch ist die Welt versperrt: Beim Ausbruch am 27. Oktober 2002 wurde hier die Straße von Lavamassen verlegt. Wir steigen aus, gehen ein Stück parallel zum Lavastrom in die Höhe, letztlich führt ein Trampelpfad auf das Lavafeld. Eindrucksvoll ist es, teilweise dampft es noch aus der Lava, wahrscheinlich verdampft eingesickertes Wasser. Eindrucksvoll ist es...

 

Nun müssen wir ohnedies den Weg zurück nehmen, es geht wieder hinunter aus der Föhrenregion in den (noch unbelaubten) Laubwald und dann in die üppige mediterrane Vegetation. Und nun beschließen wir, nur noch einzukaufen (Einkaufszentrum, Abfahrt Melille) und uns bald einen Campingplatz zu suchen. Bei Augusta werden wir fündig. Mit herrlichem Ausblick stehen wir mit Blick nach Norden auf den Vulkan, inmitten blühender Wildkräuter und streunender Katzen. Als einzige Nachbarn haben wir einen Autobus aus Passau mit einem „rollenden Hotel“ und wieder braust das Meer in unsere Träume.

 

 

 

Mittwoch, 16.4.2003

Morgens ist der Ätna im Hintergrund noch zu erahnen, aber es ist sehr dunstig und der Wind pfeift nach wie vor. Als nächstes wollen wir uns das riesige griechische Theater in Siracusa, dem antiken Syrakus, ansehen.

Die Fahrt zur SS114 zeigt uns abermals eine Seite Süditaliens, die uns gar nicht gefällt. Was anfangs noch den Gedanken an einen Streik der Müllarbeiter aufkommen ließ, entpuppt sich allerdings als etwas offensichtlich hier ganz „Normales“: überall liegt Müll, Matrazen, Waschmaschinen, Plastiksäcke, jeglicher Unrat wird einfach irgendwo deponiert und der Wind verteilt dann noch einiges. Jetzt im Frühling übertüncht vielfach die blühende Natur diesen grausigen Anblick, ich möchte nicht wissen, wie das im Sommer dann aussieht – und stinkt!

Problemlos geht es in die Stadt Siracusa, passt man sich nur der herrschenden lokalen Fahrweise an. Mit einem Fünftonner ist das etwas mühsam, aber dennoch wichtig, will man auch hier nicht als verhungertes Gerippe enden. Auch hier versammeln sich PKWs und Roller noch vor der Haltelinie, um dann bei Grün mit Hupen und Gedröhn loszubrausen. Wir haben vor unser Wohnmobil auf dem Busparkplatz abzustellen – gegen Bezahlung natürlich. Doch der Parkplatzwächter verweigert uns die Einfahrt. Wahrscheinlich macht es für ihn nicht viel Sinn, dass ein so großes Gefährt wie unser Hannibal nur drei zahlende Besucher bringt, ein Reisebus ist das schon ergiebiger. Die PKWs parken entlang der Straße, aber auch hier ist nichts frei. Nach einer weiteren Ehrenrunde umfahren wir das Gelände an der Nordseite und hoffen, so einen Blick in das Gelände erhaschen zu können. Hier gibt es zahlreiche Villen und Parkverbot, außerdem sieht man nicht in das Gelände ein. Das war es wohl… Bei der Abfahrt sehen wir dann noch eine tiefe Wiese, auf der auch gegen Bezahlung ein paar Wohnmobile stehen – aber jetzt wollen wir nicht mehr.

So peilen wir unser nächstes Ziel an: Agrigento. Hier soll es ja auch zuhauf griechische Tempel geben.

Die Fahrt nach Agrigento über Nota und Ragusa entpuppt großteils sich als „Gurkerei“ auf der Landstraße, die mit zahlreichen tiefen Schlaglöchern gespickt ist. Die Tempel in Agrigento präsentieren sich schon dem sich nähernden Besucher in eindrucksvoller Form. Da es aber schon relativ spät geworden ist, beschließen wir die Besichtigung auf den nächsten Tag zu verschieben und uns zuerst einmal einen Campingplatz zu suchen.

Diesen finden wir in San Leone südlich von Agrigento direkt an der Küste. Freilich wäre Platz für unseren großen Hannibal, meint der Besitzer des Platzes in gutem Deutsch, wir sollten nur die Straße da hinunterfahren… Dort stehen dann auf allen im Prinzip für größere Fahrzeuge verfügbaren Plätzen bereits Wohnmobile, nur zwei Plätze unter den tief hängenden Pinien sind noch frei. In Absprache mit den zukünftigen Nachbarn stellen wir uns nun vor eine Ausfahrt, den einzigen noch möglichen Platz für uns.

Indes stellt sich heraus, dass sich die Trittstufe nicht ausfahren lässt. Bei unserem Gefährt ist das nicht eine Frage der Bequemlichkeit, vielmehr schaffe ich es nicht beim „normalen“ Eingang in das Wohnmobil zu kraxeln, weil es zu hoch ist. Nachdem er die Sicherungen überprüft hat, legt sich Roland also nun unter das Auto und versucht dem Fehler auf die Spur zu kommen. Da am Motor, der die Stufe ausfährt, noch Spannung liegt, muss der Fehler irgendwo am Motor liegen – vielleicht hat ihm ein Schlagloch zu sehr zugesetzt. Was tun? In diesem Fall hilft eine von Leerflaschen befreite Bierkiste, die umgestülpt notdürftig die Funktion der Stufe erfüllt.

Während die beiden Männer sich mit den technischen Dingen herumplagen, erkunde ich das Terrain. Der Platz liegt direkt am Sandstrand hinter einen kleinen Düne. Ein Blick hinaus vor die Düne zeigt nicht nur das recht laut brausende Meer und einige Pflanzen auf den Dünen, sondern leider auch viel Unrat. Auch auf dem Campingplatz selbst gibt es einige sehr unsaubere Ecken, ich beobachte einen Neuankömmling beim Säubern seines Stellplatzes. Die Toiletten sind jedoch sauber und es gibt auch ein „Camperservice“, also eine Ver- und Entsorgungsstation. Das Ganze liegt an einer Art Einbahnstraße, die den Fehler hat, dass in einem Teil starke Äste bis auf 2 m Höhe herunterhängen. Mit unserem 3,5 m hohen Wohnmobil müssen wir da natürlich dann gegen die Einbahn fahren.

Bald kommt nun stürmischer Wind auf und am späten Abend beginnt es erneut zu regnen.

 

Donnerstag, 17.4.2003

Das Wetter werde wohl so bleiben, meint der Campingplatzbesitzer am Morgen. Nun, Tempel kann man auch mit Regenschirm besichtigen…

Man könnte es, würde man auch hier wieder auf den Parkplatz gelassen. Wie in Siracusa ist es uns auch hier nicht möglich zu parken. Doch die Massen, die auch hier ins Gelände strömen und die sich aus einiger Distanz prächtig präsentierenden Tempel machen uns den Abschied nicht so schwer.

 

Nun geht es bei strömendem Regen durch das Land, durch z.T. einsame Landstriche, nach Caltanissetta und von da auf der Autobahn Richtung Nordküste. Groß ist die Hoffnung auf besseres Wetter hier zwar nicht, aber man kann ja nicht wissen… Leider ist das Wetter auch hier alles andere als schön und während der Fahrt beschließen wir noch die heutige Rückfahrt mit der Fähre nach Villa San Giovanni.

Wieder bekommen wir gleich einen Platz für die Überfahrt und nach ein paar Minuten des Wartens geht es los. Das Meer ist recht rau und wir freuen uns deshalb schon auf die Ankunft am festen Land, als plötzlich die Fähre stehen bleibt und nur noch Position hält. Was ist los? Man kann nichts erkennen, langsam wird die Situation etwas mulmig. Doch da fährt nach einiger Zeit eine andere Fähre auf dem Hafen von Villa San Giovanni aus und kurz darauf nehmen wir wieder Fahrt auf. Offensichtlich hat das Beladen der anderen Fähre etwas länger als planmäßig gedauert.

Diese Vermutung drängt sich vor allem auf, weil es in Villa San Giovanni einen riesigen Stau von Fahrzeugen bis auf die Autobahn gibt, die alle auf die Fähre wollen. Nun geht es auf der A3 nach Norden. Dieses Autobahnstück würde wohl bei gutem Wetter spektakuläre ausblicke bieten, nun ist es aber so neblig, dass man den Weltuntergang nahe wähnt. Der ADAC-Führer sagt, dass es bei Vibo Valentia einen Campingplatz gäbe, der zumindest im Vorjahr zu Ostern offen hatte. Heuer ist er allerdings noch geschlossen und da es schon fast finster ist, sind wir bei der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz nicht sehr wählerisch.  „Camping Park Eden“ steht auf dem Schild, in einem lichten Laubwald finden wir in der Nachbarschaft von zahlreichen abgestellten Wohnwägen einen Nachtplatz.

 

Freitag, 18.4.2003

In der Nacht hat der Regen aufgehört. Weiter auf der A3 wollen wir nach Pozzuoli bei Neapel, wo es einen guten Campingplatz geben soll. Außerdem will ich heute noch die Ostereier färben und das Osterfleisch kochen, deshalb wollen wir die Tagesetappe etwas früher als üblich beenden.

Zuerst wollen wir noch einkaufen. Auf der Suche nach einem Markt verschlägt es uns in den kleinen Ort Pizzo, wo wir gerade durch die Straßen passen, am Stadtrand beobachten wir dann eine Karfreitagsprozession alter Männer.

Dann geht es auf die Autobahn. Die A3 ist zwar kostenfrei, dafür aber eine einzige Baustelle. Selten gibt es wirklich vier Fahrbahnen, meist ist der Straßenbelag äußerst schlecht. Hier würden wir im Tausch gegen eine bessere Situation gerne ein wenig zahlen wollen.  

Am Nachmittag erreichen wir die Gegend um den Vesuv. Enttäuschend klein wirkt er nach dem Ätna, keine Rauchfahne krönt seinen Gipfel. Die romantisierende Vorstellung von der Umgebung, die man vielleicht im Lateinunterricht erworben hat, kann angesichts der dichten Verbauung der ganzen Region und des etwas heftigen Verkehrs nicht aufkommen. Auf der Tangenziale geht es in Neapel nach Westen mit dem Ziel Pozzuoli. Die Zufahrt zum Campingplatz „Solfatara“ ist gut ausgeschildert, allerdings steht man dann vor einem schmalen und niedrigen Torbogen. „Durch diese hohle Gasse sollen wir nun durch?“ – um mit Friedrich Schiller zu sprechen. Vielleicht gibt es einen Nebeneingang? Ich frage. Nein, nein, das ist schon die Einfahrt, „piano, piano“ sollen wir da durchfahren. Wir verzichten die Probe aufs Exempel im Hinblick auf die zahlreichen Schrammen im Torbogen und die Unmengen von Leuten, die zu Fuß durch den Bogen wollen, um die Solfatara zu besuchen.

Etwas weiter nördlich von Pozzuoli ist der Campingpark „Ideal“ ausgeschildert. Hier dürfen wir – wieder als einzige Gäste, da der Park erst am 1. Mai öffnet – am Rande einer Schrebergartensiedlung, die den Namen „Camping“ trägt, übernachten. Hatten wir das nicht schon einmal? (Im Sommer 2002 waren wir in Belgien auf einem ebensolchen Platz, der auch „Ideal“ im Namen trug.) Immerhin – es ist sauber, es ist ruhig, ein WC funktioniert (bei den anderen spritzt es beim Betätigen der Spülung aus dem Gully…).

 

Samstag, 19.4.2003

Wir wollen in eine wohnmobilfreundliche Region – also ab in die Toscana!

Bei prächtigem Wetter geht es nun auf der SS7 quater bis nach Formia. Wir queren hier eine eher trostlose Region. Einerseits gibt es Landwirtschaft, andererseits verschlossene touristische Einrichtungen (Hotels, Campingplätze), Müllberge türmen sich am Straßenrand und dazwischen sitzen die Damen des ältesten Gewerbes und warten auf Kundschaft. Erst um Gaeta bessert sich der Eindruck und je näher wir an Rom kommen, desto sauberer wird es.

Auf der Tangenziale geht es zwei Abfahrten dahin, dann wenden wir uns in Richtung Flughafen und wundern uns über den flauen Verkehr. In der Nähe des Flughafens halten wir auf einem Rastplatz der A12 Mittagsrast und beobachten die Flugzeuge im Landeanflug.

Und nun bummeln wir die „Via Aurelia“ nach Norden, genießen dann und wann den Ausblick auf das Meer, wundern uns über die Mini-Parzellen auf Campingplätzen, die direkt neben der Autostraße liegen und freuen uns auf einen schönen Nachtplatz. Den Parkplatz bei der Etruskernekropole von Puplonia haben wir im Visier, allerdings ist der bereits mit etwa 50 Fahrzeugen randvoll – schade! Im nahen Suvereto finden wir am Sportplatz einen ruhigen und sauberen Übernachtungsplatz.

 

Samstag, 19.4.2003

Ostersonntag – und vom Meer her kommt es schwarz und es donnert. Hmmm, was tun wir jetzt? Hier zu bleiben ist angesichts des nahenden Schlechtwetters wohl nicht sinnvoll, also beschließen wir gemütlich bis nach Venedig zu fahren. Da es aber im Landesinneren wettermäßig etwas besser zu sein scheint fahren wir auf der Autobahn bis nach Pistoia und dann auf der SS64 nach Bologna.

Im Anstieg hat man hier noch eine schöne Aussicht auf das Becken, das sich von Florenz bis ans Meer spannt. Die Straße ist gut, wenn auch recht kurvig und manchmal auch sehr schmal. Sie windet sich auf knapp 1000 m Seehöhe, geht entlang der Passhöhe durch ein enges Tal mit alten Häusern, die heute offensichtlich vielfach verlassen sind oder als Ferienunterkünfte dienen, an der Nordseite fällt sie dann langsam bis Bologna ab.

Kurz vor Bologna fahren wir dann wieder auf die Autobahn auf und halten dann auch gleich Mittagsrast. Kurz danach beschließen wir, doch nicht in Venedig Halt zu machen, sondern lieber doch gleich nach Graz zu fahren, so es der Verkehr zulässt.

Der Verkehr lässt es zu – die Straßen sind wie ausgestorben. Wie wir später erfahren, findet in Imola gerade das Formel-1-Rennen statt.

Gegen 21 Uhr erreichen wir wieder die traute Heimat.

 

Fazit

 

Was uns gefallen hat:

-          die teilweise spektakuläre Landschaft

-          die über und über blühende Natur

-          die frische Lava auf dem Ätna

-          die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen

 

Was uns nicht gefallen hat:

-          der Schmutz an allen Ecken und Enden

-          die Schwierigkeiten beim Parken

-          die durch Bäume und Büsche schwer zugänglichen Campingplätze

-          der irre Verkehr

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Stand: 30.04.06