Zum Jahreswechsel 2004/2005 nach Kössen
(Schlaglichter
vom zweiten Winterurlaub auf einem Campingplatz)
So hatten wir uns also entschieden, auch den
Jahreswechsel 2004/2005 irgendwo auf einem schönen Campingplatz im Schnee zu
verbringen. Nach langer und sorgfältiger Überlegung fiel unsere Wahl auf den
Campingplatz in Kössen, auf dem wir schon mehrere Wochen im Sommer verbracht
haben. Mitte November ließen wir uns einen Komfortstellplatz (mit
Anschlüssen für Wasser, Abwasser, Strom und TV) reservieren, was zu diesem
Zeitpunkt offensichtlich problemlos möglich war.
Am 28.12.2004 fuhren wir also mit Wohnmobil und PKW
los. Die etwa 320 km brachten wir mit einer Unterbrechung zum Essen an der
Autobahnraststätte Eben Nord, wo wir im Landzeit-Restaurant schlemmten, in
etwa 4 Stunden reiner Fahrzeit hinter uns. Je näher wir an Kössen kamen,
desto winterlicher wurde die Landschaft, Raureif auf den Bäumen
komplettierte das Bild.
Während Roland nun nach unserer Ankunft auf dem
Stellplatz die Anschlüsse befestigte, kamen die Nachbarn, ein Ehepaar mit
Kleinkind aus Viersen, zu ihrem Wohnwagen. Statt eines Grußes meinte der
Mann mit tiefernster Miene: „Müssen Sie denn heute kommen?“ Roland schaute
ihn entgeistert an ob dieser Aussage und fragte, was das zu bedeuten habe.
„Nun, ich fahre morgen weg und wenn Sie jetzt da stehen, muss ich morgen den
Wohnwagen aus dem Stellplatz herausdrehen und kann ihn nicht direkt ans Auto
hängen.“ Er hatte seinen großen Tandemachser ganz an der hinteren
Grundstückgrenze parallel zur Straße ausgerichtet. „Bei dem Schnee und Eis
wird das schwer gehen.“ Roland reagierte nun nur mehr mit Schweigen auf
diese Frechheit, da dämmerte es dem Nachbarn nun doch langsam, dass er sich
massiv im Ton vergriffen hatte und letztlich entschuldigte er sich auch.
Hätte er freundlich für den nächsten Morgen um Hilfe gebeten, so wäre ihm
die sicher gewesen. So aber sollte er selbst sehen, wie er aus dem
Stellplatz kommen würde.
Zahlreiche Christbäume – von Campern, die Weihnachten
auf dem Campingplatz verbracht hatten, aufgestellt – waren in der
Zwischenzeit von Lampen erhellt und verströmten versöhnliches Licht.
In der Nacht schüttelte Frau Holle ihre Decken und
morgens lag eine etwa 20 cm dicke und duftige Schneedecke über allem. „Hast
du heute schon Schnee geschippt?“ war die Standardfrage der Leute, die
einander vor dem kleinen Geschäft trafen, um das Frühstücksgebäck zu kaufen.
Und bald sah man allerorten Männer mit Schaufeln, Schneeschiebern und
Leitern bewaffnet ihre Stellplätze, Campingfahrzeuge und Vorzelte vom Schnee
befreien.
Und unser Nachbar? Da geschah nichts. Wozu sollte er
schaufeln, wenn er ohnedies gleich nach Hause fuhr? Aber er versuchte auch
nicht, seinen Wohnwagen aus dem Stellplatz zu drehen. Schließlich kam des
Rätsels Lösung in Form des Platzwartes, der selbst kräftig zupackte und den
Wohnwagen mit Hilfe seines Allradfahrzeugs aus dem Stellplatz holte, um ihn
draußen vor dem Platz auf dem nun schon vom Schnee geräumten Parkplatz
abzustellten, wo ihn dann unser lieber Nachbar bequem an sein Auto (immerhin
auch ein großer Allrad!) hängen konnte.
Wir putzten auch den Schnee von Rolands Auto und
schaufelten einen Weg. Dann packten wir die Kameras und machten eine lange
Platzrunde. Das Schaufeln musste natürlich von den Komitees besprochen
werden.

Kinder und Hunde hatten besonderen Spaß an der weißen
Pracht.

Besonders gut schien der Schnee zum Bau von
Schneemännern und von unzähligen Theken zu sein. Nur – wofür sollten die
verwendet werden? Ein Nachbar klärte uns später auf, dass diese Theken „für
die Kommunikation“ seien:


Abends ließ Roland das Abwasser ab und wollte Wasser
mit dem Schlauch bunkern. Die Frischwasseranschlüsse sitzen in Kössen in
einem Schacht unter der Erde und erschienen uns so frostsicher. Aber – da
kam kein Wasser, nicht einmal ein Tropfen. Sollte da etwa…? Ja, die
Befürchtung bestätigte sich am nächsten Morgen: Im Winter gibt es kein
Wasser an den Stellplätzen, nur an einigen Winterbrunnen kann man es holen.
Der lag aber drei Stellplätze weiter und war damit für unseren Schlauch von
7 m nicht mehr erreichbar. Zwei Möglichkeiten hatten wir nun: entweder kein
Wasser an Bord mehr verwenden, was keiner wollte, alle zwei, drei Tage zur
Versorgungsstelle fahren, was auch keiner wollte, oder einen Kanister zum
Wasserbunkern kaufen. Am nächsten Vormittag fuhren wir nun nach Kufstein, um
unter anderem einen derartigen Kanister im Baumarkt zu kaufen. Allerdings
scheint dies kein Gegenstand für die Zeit um den Jahreswechsel zu sein, da
bekommt man alles andere eher als Wasserkanister. Der nächste Baumarkt in
Wörgl hatte auch keine Kanister und so blieb uns wohl nichts anderes übrig
als eine Gießkanne zu erstehen. Eine Gießkanne – wer uns kennt, weiß, was
wir in der Regel vom Befüllen eines Wohnmobil-Wassertanks mit einer
Gießkanne halten. „Nur keine grüne Kanne!“ war Rolands sehnlichster Wunsch
und so wanderte eine dunkelblaue 10-Liter-Kanne in unser Eigentum. Die
Einweihung der Gießkanne wurde vom Ältesten durchgeführt und dann holten die
beiden Männer Kanne um Kanne, bis unser inzwischen so gut wie leerer
240-Liter-Tank wieder voll war. „Das ist keine Weiberarbeit“, meinten sie
und das einzige Weib war nicht traurig darüber:

Der Silvestermorgen war strahlend schön, während die
Sonne noch hinter dem Unterberghorn stand zeigte sich daneben eine besonders
helle Nebensonne und ein großer Bogen des 22°-Halo:

Die Nachbarn „kommunizierten“: Sie hatten an ihrer
Schneetheke einen großen Partyschirm aufgestellt. Dahinter stand nun ein
Dreibein mit einem großen Kessel, in dem Weißwürste heiß gemacht wurden (ein
anderes Mal roch es hingegen nach Gulaschsuppe…). „Das machen wir seit 20
Jahren hier auf dem Platz“ war ihre Erklärung und bald fanden sich viele
Bekannte ein, die bis Mittag ihre Weißwürste genossen.

Nachmittags war es ruhig, denn offensichtlich
versuchten die meisten Camper Energie für die Nacht zu tanken. Lang blieb es
ruhig – offensichtlich waren doch einige auch im Restaurant beim
Silvestermenü, das uns mit EUR 55.- pro Person viel zu teuer war und durch
„Musik“ noch weiter verdorben wurde. Je älter das Jahr wurde, je näher das
Jahr 2005 vor der Tür stand, desto mehr Leute tauchten an den Schneetheken
auf, auch die hinter unserem Wohnmobil wurde nun umlagert. Wie immer drehten
wir kurz vor Mitternacht das Radio auf, um uns vom Läuten der Pummerin, der
großen Glocke im Wiener Stephansdom, ins neue Jahr geleiten zu lassen. Wie
immer folgte der sentimentale Donauwalzer, den wir als Geschenk an die
deutschen Gäste in die Nacht hinaustönen ließen. Pünktlich um Mitternacht
wurden auch vom Parkplatz vor dem Campingplatz unzählige Raketen in die
Nacht geschossen und wir bestaunten das Feuerwerk bei weit offenen Fenstern
vom Wohnmobil aus:

Mit der letzten Flasche Champagner, die wir noch von
einem Besuch eines Produzenten in der Champagne hatten, begossen unsere
beiden Männer das Jahr 2005. Um 1.30 Uhr krochen wir in unsere Betten und
bald war auch rundum alles ruhig.
Wieder hatte es ein wenig geschneit, als wir morgens
aus dem Fenster schauten. Der Platz blieb sehr lange ziemlich verwaist und
still, nur die Reste der nächtlichen Feiern, vom Schnee teils gnädig
verhüllt, verrieten den Grund für diese Stille:

Die nächsten Tage verliefen ohne spektakuläre
Höhepunkte, teils schneite es, teils schien die Sonne vom blitzblanken
Himmel. Wir genossen das Faulsein und machten zwei Rundfahrten. Die erste
führte uns über St. Johann in Tirol

und Kitzbühel zum Pass Thurn und dann weiter die
Salzach aufwärts auf den Gerlospass, wo wir den herrlichen Blick auf die
teils vereisten Krimmler Wasserfälle, die Bergwelt und das Salzachtal
genossen:

Ein weiterer Ausflug ging über Innsbruck und den Zirler
Berg, an Seefeld vorbei nach Scharnitz und nach Bayern. Am Walchensee
machten wir einen kurzen Stopp und versuchten einander mit Schnee
einzureiben, in Kochel am Kochelsee aßen wir dann zu Mittag, ehe wir über
Bad Tölz, Bayrischzell und das Sudelfeld nach Kössen zurückfuhren.
Der Tag der Abfahrt war bald gekommen und der Abschied
wurde uns durch stundenlangen Regen recht leicht gemacht.
Ein Vergleich der beiden Winterurlaube am Campingplatz,
die wir zum Jahreswechsel 2003/2004 in Hermagor und 2004/2005 in Kössen
verbracht haben, ließ den Aufenthalt in Tirol als Sieger hervortreten. In
Hermagor schien der Campingplatz wie ausgestorben, in Kössen war er voll,
aber es gab keine unangenehmen Begleiterscheinungen, eher war das Leben auf
dem Platz positiv. Die Schneelage ist in der Regel im Norden der Alpen auch
besser. Der Platz in Kössen ist völlig ruhig gelegen, der in Hermagor liegt
neben der Hauptdurchzugsstraße, was zwar im Winter wegen der geschlossenen
Fenster nicht ganz so unangenehm, wenn auch spürbar ist. Die
Einkaufssituation ist in Kössen bestens, der gut ausgestattete Laden am
Platz nimmt manch eine Fahrt in den Ort ab, der allerdings nicht nur mit
Filialen der üblichen Handelsketten (Spar und Billa), sondern vor allem auch
mit exzellenten Spezialgeschäften aufwarten kann (Fleischhauer,
Molkereigeschäft usw.). In Hermagor gibt es Frühstücksgebäck nur auf
Vorbestellung, für alles weitere muss in den Ort gefahren werden. Ein
Spaziergang in den Ortskern ist sowohl in Hermagor als auch in Kössen
möglich. Im ersteren Fall geht man einen Großteil entlang der Hauptstraße
(auf z.T. nicht vom Schnee geräumten Gehsteigen), in Kössen gelangt man auf
gut gepflegten Wegen entlang untergeordneter Straßen in den Ort. Die
Restaurants bieten auf beiden Plätzen tadelloses Essen, hier war es
allerdings in Hermagor wohl auch wegen der geringeren Zahl von Gästen auf
dem Campingplatz durchaus angenehmer.